Yanis Varoufakis, Wirtschaftswissenschaftler und Politiker (Griechenland) setzt sich in diesem Buch mit den verschiedenen Wirtschaftssystemen auseinander. Vom Feudalismus über den Kapitalismus zum “Technofeudalismus”. Diese Bezeichnung gibt er dem System, das sich seiner Meinung nach aktuell gerade am Entwickeln ist. Dabei geht es selbstverständlich auch um Macht. Für Wirtschaft und Politik hat er sich seit frühester Jugend interessiert, was sicher auch seiner Herkunft geschuldet ist. Auch diese wird im Buch geschildert.
Varoufakis will seinen Leser:innen die Mechaniken der Systeme erklären, meist anhand von einleuchtenden, einfachen Beispielen. Die Sprache ist gut, manchmal musste ich etwas nachschlagen, allerdings eher aus Wissensdurst und weniger, weil der Sinn des Satzes sonst verloren gegangen wäre.
Das Buch hat für mir den Horizont eindeutig erweitert, viele Mechanismen auf den Punkt gebracht. Als negativen Punkt verbuche ich, dass es mir oft doch zu schwierig war. Die Finanzwelt ist komplex – da habe ich hin und wieder etwas “abgehängt”. Es hat mich einige Anstrengung gekostet, durchzuhalten beim Lesen. Nichtsdestotrotz finde ich es wichtig, dass ich mich etwas damit auseinandersetze, um nicht ahnungslos durch die Welt zu gehen.
Die politische Haltung - links - des Autors ist sehr klar wahrnehmbar. Am Ende des Buches erläutert er seine Sicht der Welt, wie sich die Systeme, die wirtschaftlichen und politischen, verändern müssten, um ein für alle Menschen und damit auch für die Erde Wohlergehen zu erreichen.
Die Pandemie hat diesen Trend verstärkt. Der einzige wesentliche Unterschied zu der Zeit vor der Pandemie war, dass diesmal und zum ersten Mal seit 2008 ein Teil der frisch von den Zentralbahnken gedruckten Billionen von den Regierungen für die Bevölkerungen ausgegebne wurde, dafür, ihre Bürger am Leben zu erhalten, während sie im Lockdown waren. Trotzdem stützte der grösste Teil des neuen Geldes letztlich die Aktienkurse der grossen Tech-Unternehmen. Das geht aus einem im Oktober 2020 veräffentlichten Bericht der schweizerischen Bank UBS hervor. Demnach hatten Milliardäre ihren Reichtum zwischen April und Juli 2020 um mehr als ein Viertel (27.5 Prozent) vergrössert, während Millionen Menschen weltweit ihre Jobs verloren hatten…