Seraina Koblers Tal der Schwalben hat mich thematisch zunächst sehr angesprochen. Besonders das Zitat "Muss Heimat denn immer Erde sein?“ ist mir geblieben. Die Frage nach Heimat beschäftigt mich persönlich, da ich bereits an verschiedenen Orten gelebt habe. Heimat ist für mich weniger ein fester Ort als vielmehr ein Gefühl von Vertrautheit.
Auch der Ansatz des Romans fand ich spannend: Climate Fiction aus der Schweiz, angesiedelt in einer nahen Zukunft. Beim Lesen habe ich immer wieder darüber nachgedacht, ob und wann eine solche Entwicklung auch bei uns denkbar wäre.
Leider konnte mich das Buch insgesamt nicht richtig überzeugen. Die Figuren blieben mir oft zu fern, und die einzelnen Lebensgeschichten verschwammen für mich etwas. Manche Wendungen wirkten auf mich sehr konstruiert, etwa die Geschichte um Chantal, die zwar etwas Berührendes hatte, für mich aber auch sehr gezielt eingesetzt wirkte.
Sprachlich gab es einzelne Passagen, die mir gut gefallen haben. Gleichzeitig empfand ich die vielen Adjektive und dichten Bilder stellenweise als überladen. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass zu viel gewollt wurde: Climate Fiction, Familiengeschichte, Gesellschaftskritik, Heimatfrage, Krimielemente und Zukunftsvision.
Am Ende lässt mich Tal der Schwalben etwas ratlos zurück. Einzelne Themen und sprachliche Momente haben mich angesprochen, als Ganzes war mir der Roman jedoch zu konstruiert und nicht stimmig genug. Empfehlen würde ich ihn vor allem Leserinnen und Lesern, die sprachlich dichte Texte mögen und sich gerne auf eine ungewöhnliche Mischung einlassen.