Ausgangslage: Die Mutter ist verstorben und wird erst nach mehreren Wochen tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Neun Monate zuvor hat sie angefangen mit einer Person zu chatten, die sich als Sam Heughan ausgibt, dem Schauspieler aus Outlander. Nun muss die Tochter überlegen, ob sie das Erbe antreten und den Nachlass ihrer Mutter annehmen möchte. Die Tochter hat die Mutter damals vor dem Love Scammer gewarnt. Sie will herausfinden, was in den letzten Wochen vor dem Tod ihrer Mutter wirklich passiert ist. Also fängt die Tochter an, den Chatverlauf und die Handy-Nachrichten mit dem angeblichen Sam zu lesen.
Die Autorin Sarah Kuttner schreibt mit “Mama & Sam” einen autobiografisch angehauchten Roman. Auch ihre Mutter wurde von einem Heiratsschwindler hinters Licht geführt. Die Tochter im Buch weiss nicht, wie mit der Situation umzugehen. Sie konfrontiert ihre Mutter mit Fakten, mit Geschichten von Frauen, denen das Gleiche widerfahren ist. Das führt allerdings nur dazu, dass ihre Mutter sich noch mehr zurückzieht. Indem sich die Tochter danach mit den teils sehr intimen Gesprächen ihrer Mutter mit Sam auseinandersetzt, lernt sie eine ganz andere Seite von ihr kennen. Nicht die Mutter von früher, die überfordert und wütend war und sie schlug. Sondern einen Menschen, der sich nach Nähe und Liebe sehnte, der klug und lustig war.
Die Geschichte hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Der Text ist gefühlvoll und mit einer Prise Humor geschrieben. Auch ich habe mich schon gefragt, wie es sein kann, dass Menschen auf Heiratsschwindler hereinfallen. Eigentlich geht es immer um Gefühle. Das Gefühl nicht allein zu sein oder auch das Gefühl der Angst abgewiesen zu werden. All das hat Sarah Kuttner wunderbar in diesem Buch zusammengefasst.
Am Schluss gibt es sogar noch einige Tipps, wie man sich verhalten kann, falls jemand aus der Familie oder aus dem Freundeskreis einem Love Scam zum Opfer fällt.