Yesteryear hat mich von Anfang an neugierig gemacht und bis zum Ende gefesselt. Schon das Cover hat mich sofort angesprochen. Ich finde die Gestaltung sehr gelungen und das Buch sieht wunderschön im Regal aus. Leider kam mein Schutzumschlag bereits eingerissen an, was mir bei online bestellten Hardcovern leider schon häufiger passiert ist. Während des Lesens lege ich den Schutzumschlag deshalb meist zur Seite. Umso schöner finde ich den eigentlichen Einband, der die Atmosphäre der Geschichte perfekt widerspiegelt und bereits einen Vorgeschmack auf die Welt des Buches gibt.
Zu Beginn der Geschichte lernt man Natalie kennen, die auf mich zunächst wie eine starke und verantwortungsbewusste Frau wirkt. Sie ist in einem sehr gläubigen Umfeld aufgewachsen und vertritt dadurch viele Ansichten, die sich von denen ihrer Mitstudierenden unterscheiden. Gleichzeitig hatte ich schnell den Eindruck, dass sie deutlich intelligenter und reflektierter ist, als sie sich selbst zugesteht. Deshalb dachte ich anfangs, dass sie sich irgendwann von den Erwartungen ihrer Familie lösen und ihren eigenen Weg einschlagen würde. Caleb tritt überraschend schnell in ihr Leben und verändert ihren Lebensweg grundlegend, sodass sie sogar ihr Studium aufgibt.
Nach außen scheint Natalies Leben perfekt zu sein. Gemeinsam mit Caleb führt sie eine erfolgreiche Influencer-Familie, die für viele Menschen wie das ideale Familienleben wirkt. Doch bereits im ersten Teil wird deutlich, dass hinter den perfekt inszenierten Bildern zahlreiche Probleme verborgen sind. Caleb betrügt Natalie mit einer Angestellten, die Beziehung der beiden wirkt zunehmend oberflächlich und auch die Kinder leiden unter dem ständigen Druck, ihr Leben öffentlich zu präsentieren. Besonders die älteste Tochter, die nicht länger gefilmt werden möchte, zeigt, welche negativen Folgen ein Leben in der Öffentlichkeit haben kann. Dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen, weil das Buch realistisch vermittelt, dass soziale Medien immer nur einen kleinen Ausschnitt des echten Lebens zeigen. Besonders treffend fand ich die Aussage, dass hinter einem 30-sekündigen Video oft viele Stunden Arbeit stecken.
Im Laufe der Geschichte nimmt das Buch jedoch eine völlig neue Richtung. Die geheimnisvolle Parallelwelt, auf die bereits früh hingedeutet wird, entwickelt sich zu einem zentralen Bestandteil der Handlung. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob diese Welt tatsächlich existiert oder vielleicht nur ein Traum beziehungsweise eine Vorstellung Natalies ist. Nach und nach werden die Zusammenhänge jedoch immer klarer. Gerade dieser Wechsel zwischen den beiden Welten sorgt für Spannung und macht das Buch zu mehr als einer klassischen Familien- oder Liebesgeschichte.
Besonders gelungen fand ich, wie Natalie sich im Verlauf der Geschichte verändert. Sie beginnt immer mehr, ihre bisherigen Entscheidungen zu hinterfragen und erkennt, dass sie ihr Leben lange nach den Erwartungen anderer ausgerichtet hat. Durch ihre Erfahrungen gewinnt sie zunehmend Selbstvertrauen und trifft schließlich Entscheidungen, die sie nicht mehr für andere, sondern für sich selbst trifft. Diese Entwicklung wirkte auf mich glaubwürdig und machte Natalie zu einer Figur, mit der man gut mitfühlen konnte.
Auch das Ende hat mir gut gefallen. Viele offene Fragen werden beantwortet und die Geschichte findet einen passenden Abschluss, ohne überstürzt zu wirken. Besonders die Botschaft, dass Perfektion oft nur eine Fassade ist und jeder Mensch seinen eigenen Weg finden muss, bleibt nach dem Lesen im Gedächtnis. Gleichzeitig regt das Buch zum Nachdenken über den Einfluss von Social Media, gesellschaftliche Erwartungen und die Bedeutung persönlicher Freiheit an.
Insgesamt hat mir Yesteryear sehr gut gefallen. Das Buch verbindet spannende Fantasy-Elemente mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und einer emotionalen Geschichte über Selbstfindung. Die Mischung aus Spannung, Emotionen und überraschenden Wendungen hat dafür gesorgt, dass ich das Buch nur ungern aus der Hand gelegt habe. Ich würde Yesteryear allen empfehlen, die Geschichten mit starken Charakterentwicklungen, einer besonderen Handlung und wichtigen Botschaften mögen.