Ein Roman, der vielerorts als literarisches Meisterwerk gefeiert wird, bei mir jedoch vor allem Ratlosigkeit und Distanz ausgelöst hat.
Zum Inhalt: Filipenko erzählt keine realistische Geschichte über Elefanten, sondern eine Parabel. Im Zentrum steht ein Schriftsteller, der fieberhaft nach einer grossen Idee für seinen nächsten Roman sucht. Gedanklich spielt er unterschiedliche Szenarien durch – von der Machtübernahme der Neandertaler bis zu einem radikalen Rachefeldzug gegen alte Männer, nachdem seine Frau und seine Tochter auf tragische Weise ums Leben gekommen sind. Schliesslich verwirft er diese Ansätze und wendet sich einer neuen Idee zu: Elefanten erscheinen plötzlich überall und breiten sich unaufhaltsam aus. Die Tiere stehen symbolisch für Probleme und Entwicklungen, die von einer Gesellschaft zwar wahrgenommen, aber verdrängt werden.
Meine Eindrücke: Die Grundidee des Romans finde ich durchaus interessant. Der «Elefant im Raum» als Symbol für verdrängte Ängste und gesellschaftliche Missstände besitzt zweifellos Potenzial. Dennoch blieb ich beim Lesen zunehmend ratlos zurück.
Je länger ich las, desto mehr beschlich mich das Gefühl, dass hier bewusst eine ungewöhnliche, vielleicht neue Form des Erzählens angestrebt wird. Die zahlreichen eingeschobenen WhatsApp- und SMS-Nachrichten, die Perspektivwechsel und die fragmentarische Erzählweise unterbrachen meinen Lesefluss immer wieder. Ich hatte nicht das Gefühl, einer Geschichte zu folgen, sondern einem literarischen Konstrukt, das sich mir nie wirklich erschloss.
Dabei bin ich neuen Ausdrucksformen durchaus aufgeschlossen gegenüber. Ich liebe abstrakte Kunst und muss nicht immer alles verstehen. Bei «Die Elefanten» weckten die literarischen Experimente in mir jedoch weder Neugier noch Emotionen, sondern vor allem Distanz.
Mein Fazit: Nach knapp achtzig Seiten habe ich die Lektüre abgebrochen – etwas, das bei mir nur selten vorkommt. Ich erkenne die Idee und die gesellschaftliche Aussage hinter der Parabel. Die gewählte Erzählform hat mich jedoch nicht erreicht. Für mich blieb «Die Elefanten» eine interessante Idee, die sich nicht in ein fesselndes Leseerlebnis verwandeln konnte.
Leseempfehlung: Wer Freude an literarischen Experimenten und viel Raum für eigene Interpretationen hat, könnte an diesem Roman Gefallen finden. Wer hingegen eine emotional packende und leicht zugängliche Geschichte sucht, dürfte möglicherweise ähnlich ratlos zurückbleiben wie ich.