Ein Buch, das sich nicht schnell lesen lässt - will man davon Gewinn haben.
Ein Buch aber auch, das über sich hinaus weist und eine Türe öffnet, wenn man sich darauf einlässt.
AKEDIA mag für Viele kein Begriff sein - und auch unsere Übersetzung mit ‘Überdruss’ kommt dem Inhalt nicht wirklich auf die Spur.
…und doch kennen wir alle (ausnahmslos) diesen Zustand der ‘geistigen Erschlaffung’, das fehlen jeglicher Spannkraft - bis hin zum Burnout.
Man mag zwar meinen, das Büchlein wäre nur für Mönche geschrieben - dass es aber jeden anzugehen vermag, wird beim Lesen klar, sobald man gleichsam in den eigenen Spiegel schaut: die Arbeit befriedigt nicht (mehr) - Veränderung muss her - gleiches erleben wir mitunter in unsern Wohnräumen, Partnerschaften - und wenn wir nicht bei uns selber sein können. Das stete Reisen und Unterwegssein wird als ‘Bildungskultur’ deklariert - wir sind ständig beschäftigt, halten uns mit Events auf Schwung - und sind dabei doch eher auf der Flucht als in der Erfüllung… Schalheit macht sich breit - ist das alles?!
Spannende Gedankengänge öffnen die Augen für eine verdrängte Realität - dabei wird einem die Lebensfreude und Lebenslust nicht madig gemacht - im Gegenteil. Nur ist der Weg dahin nicht unbedingt bequem - doch wenn man die Kurve gefunden hat, tut sich eine andere Lebens- und Seinsqualität auf, die einen erst so richtig ‘geniessen’ lässt - ohne Gier und Oberflächlichkeit.
Bunge versteht es, die alten Texte des Wüstenvaters Evagrios zu destillieren und zu verknüpfen, so dass ein schlüssiges Bild entsteht - ohne Moralin und Zeigefinger - aber doch offen und ehrlich - immer wieder mit einem Schuss Humor. Man staunt, welch weise Mitte gelehrt und gelebt wurde.
Ein Buch für die eigene Lebenspraxis - muss mit Ausdauer gelesen werden.