Es war mein Leben. Meine Zukunft, und ich hatte endlich begriffen, dass Glaube für mich nichts mit Regeln und Unterdrückung zu tun hatte. Zu glauben, hieß nicht, seinen eigenen Selbstwert zu untergraben, sondern zu leben, Freude zu empfinden, das Leben zu fühlen, zu singen, zu tanzen, zu lieben. Ich wollte nicht mehr in Angst leben. - aus «Like the first breath» -
Bis Hanna so weit war, brauchte sie ganz schön viel Mut und Stärke, denn Hanna wuchs in einer Glaubensgemeinschaft auf – im Bund der heiligen Ordnung. Dort war alles «weltliche» verboten und Frauen dazu da, früh zu heiraten, eine Menge Kinder zu kriegen zum Mann und zu Gott hinauf zu schauen. Ohne Fragen zu stellen, ohne etwas zu hinterfragen oder gar in Frage zu stellen. Um ihren Traum zu verwirklichen, Lehramt in München zu studieren, brauchte sie die Einwilligung der ganzen Gemeinschaft. In München erlebt Hanna wie es sich anfühlt frei zu sein, Hosen zu tragen, verschiedene Musik zu hören oder zu tanzen. Sie fühlt sich immer mehr zu diesem freien Leben und zu Noah hingezogen und doch ist da diese Stimme – fest eingenistet in ihrem Kopf - die ihr ein schlechtes Gewissen und noch immer Angst macht, sie vor all den «Sünden» warnt. Bleibt Hanna stark und kann sie sich aus diesen imaginären Fesseln befreien für ein Leben das ihr entspricht?
Was dieses Buch so besonders macht ist, dass es sich um einen True-Fiction-Roman handelt. Weite Teile dieses Romans beruhen auf einer wahren Geschichte und zwar jener von Elena. Dass es solche strikten Glaubensgemeinschaften gibt, wusste ich und doch ließ mich dieses Buch immer wieder schwer schlucken. Die patriarchalen Denkweisen, die allgegenwärtige Angstmacherei, die Unterdrückung und auch der Raub auf ein selbst bestimmtes Leben ist in der Geschichte sehr echt beschrieben und für mich persönlich abscheulich. Die Autorin hat es geschafft dieses Thema in eine perfekte, intensive Geschichte voller Empathie, Sensibilität und Stärke zu packen. Sehr beeindruckt hat mich der stark spürbare Zwiespalt von Hannas Gefühlen und Gedanken und wie viel Zeit es braucht, solch festgefahrene Denkmuster nach und nach aufzulösen. Eine tief bewegende, authentische und fesselnde Geschichte die deutlich macht, dass Freiheit und Selbstbestimmung unsere obersten Güter sind und dass diese für viele Menschen auch in unserer Umgebung noch immer keine Selbstverständlichkeit sind. Reiht sich in meine Highlights ein!