Die Grundidee mit den alternativen Realitäten und der Frage, wie Entscheidungen unser Leben und unsere Persönlichkeit prägen, fand ich spannend und originell. Besonders die psychologischen Aspekte rund um Identität, Selbstbild und die unterschiedlichen Versionen der Figuren haben mich zum Nachdenken gebracht und waren für mich die grösste Stärke des Buches.
Gleichzeitig hatte ich aber Schwierigkeiten mit einigen Charakteren und ihren Entscheidungen. Vor allem Caleb wurde für mich im Verlauf der Geschichte zunehmend frustrierend, während die Darstellung des „alten Caleb“ in der alternativen Realität teilweise sogar beängstigend wirkte. Auch Natalie konnte ich nicht immer nachvollziehen, da sie oft sehr stark von ihrem Umfeld und den Erwartungen anderer beeinflusst scheint und ihre Entwicklung dadurch manchmal anstrengend wirkte.
Der Schreibstil liess sich angenehm lesen und die Geschichte hat es geschafft, mich zum Weiterlesen zu motivieren. Dennoch fehlte mir stellenweise etwas Tiefe und ich hätte mir bei einigen Handlungssträngen und Charakterentwicklungen mehr Ausarbeitung gewünscht. Insgesamt ist Yesteryear für mich ein interessantes Buch mit einer starken Idee und spannenden psychologischen Ansätzen, das sein volles Potenzial aber nicht ganz ausschöpfen konnte.