Das Buch ist eine recht generische Jugend-Fantasy-Geschichte, die ihr aussergewöhnliches Setting in einem gnadenlosen Gefängnis kaum nutzt. Statt einer bedrohlichen und gefährlichen Welt wirkt das Leben der Protagonistin Kiva, abgesehen von den Prüfungen, selten ernsthaft gefährdet.
Kiva lebt seit ihrem siebten Lebensjahr in diesem Gefängnis, das kaum so tödlich sein kann, wenn selbst Kinder dort überleben. Sie kümmert sich sogar um einen Jungen, der ständig unbeaufsichtigt herumläuft. Insgesamt erinnert die Atmosphäre eher an ein Dorf unter Besatzung als an ein Hochsicherheitsgefängnis.
Spannung kam bei mir kaum auf, da Kiva ihre Aufgaben meist ohne grössere Hindernisse bewältigt. Rückschläge sind selten und werden oft innerhalb weniger Seiten wieder aus dem Weg geräumt.
Auch die Figuren tragen wenig zur Spannung bei. Abgesehen von einigen Wächtern sind fast alle Charaktere sympathisch, und selbst die Rebellenführerin wirkt eher wie ein Schulhof-Bully als wie eine ernstzunehmende Antagonistin. Dass Kronprinz und Prinzessin das Gefängnis ohne besondere Sicherheitsmassnahmen besuchen können, unterstreicht zusätzlich den Mangel an Gefahr.
Der grosse Plot-Twist am Ende überraschte mich zwar, liess mich aber zugleich die Glaubwürdigkeit der bisherigen Handlung hinterfragen.
Wer leichte Unterhaltung mit einer Protagonistin sucht, die ihrer Umwelt moralisch überlegen erscheint, könnte hier fündig werden. Trotz des auf dem Papier aussergewöhnlichen Settings fühlt sich das Buch letztlich wie viele andere Jugend-Fantasy-Romane an.