Cover & Gestaltung:
Das Buchcover ist ganz in pink gehalten, ebenso der Farbschnitt. Abgesehen vom Titel zieren die Vorderseite eine weiße Blüte, sowie die Linien eines Briefumschlags. Highlight bei der Gestaltung ist, dass der Brief im Dunkeln leuchtet. Das finde ich einfach toll und habe ich so noch nicht gesehen.
Handlung & Charaktere:
Anna lebt in Bozen und ist Lektorin. Obwohl ihr Leben auf den ersten Blick glücklich scheint, fehlt Anna etwas und sie fragt sich: Ist das wirklich alles? Als sie durch Zufall Zeugin eines Unfalls wird und im Zuge dessen in den Besitz von Julias Handy kommt, nimmt Annas Leben eine neue Wende. Anna erfährt, dass Julia bei dem Unfall verstorben ist. Das Handy ist Annas Verbindung zu Julia und bald lassen sie die Nachrichten, Fotos und Erinnerungen auf dem Handy nicht mehr los…
Anna ist die Hautfigur dieses Romans. Sie ist eine junge Frau, die zu Beginn noch nicht genau zu wissen scheint, was sie vom Leben will. Sie merkt jedoch, dass sie sich irgendwie mehr erwartet und ihr etwas fehlt. Dass sie in den Besitz von Julias Handy kommt, ist ein Zufall, der für sie jedoch viel mehr Gewicht hat. Fortan befasst sie sich durch die Textnachrichten, Fotos und Erinnerungen, die sie auf dem Handy findet, intensiv mit Julias Lebensgeschichte. So intensiv, bis sie sogar Kontakt zu der Familie sowie Ben, einer intensiven Bekanntschaft der Verstorbenen, aufnimmt. Anna ist für mich eine sehr ambivalente Figur. Stellenweise habe ich ihr Verhalten und ihre Handlungen gut nachvollziehen, wie etwa die Neugier mehr über das Leben von Julia zu erfahren. Dass ihre Neugier dann jedoch so weit geht, dass sie sich der Familie und Ben nähert, habe ich etwas befremdlich und übergriffig/aufdringlich empfunden. Anna war mir als Figur leider nur mittelmäßig sympathisch. Man spürt, dass sie auf der Suche nach ihrem Weg ist, aber wie sie den beschreitet, konnte ich stellenweise kaum nachvollziehen. Das hat sie für mich wenig authentisch gemacht.
Auch mit der Figur der Julia bin ich nicht richtig warm geworden. Die anderen Charaktere wie Sarah (Annas Kollegin und Freundin), Philip (Annas Freundschaft plus Bekanntschaft), Julias Familie und Ben, habe ich eher positiv wahrgenommen.
Schreibstil/ Erzählweise:
Der Schreibstil ist leicht und gut verständlich, sodass ich schnell in die Geschichte hineingekommen bin. Im Laufe des Buchs wiederholen sich aber bestimmte Formulierungen aber recht oft, genauso wie sich der Sprachrhythmus stark wiederholt. Zusammen mit den meist recht kurzen Sätzen, ist mir das im Laufe der Handlung immer mehr aufgefallen und hat für mich an Spannung verloren. Manchmal hätte ich mir den Text außerdem etwas emotionaler gewünscht. Neben dem Hauptgeschichte gibt es auch immer wieder Passagen, die von Julias Leben berichten. Aufgelockert wird der Roman auch mit gelegentlichen SMS-Nachrichten.
Meinung & Fazit:
„Nachricht ins Herz“ scheint der erste Roman der Südtiroler Autorin Rosa M. Trojer zu sein. Man merkt, dass sich die Autorin Mühe gegeben hat und ihrem Roman eine tiefe Bedeutung geben wollte. Die Idee des Romans finde ich auch sehr schön. Ich empfinde das Durchsuchen des Handys weniger als Eindringen in die Privatsphäre, sondern vielmehr als Würdigen und verstehen Wollens eines Lebens.
Der Roman konnte mich aber aufgrund der Umsetzung nicht ganz überzeugen. Stellenweise ist mir die Hauptfigur Anna etwas zu obsessiv gewesen, was vor allem an der Art lag, wie sie es angegangen ist. Auch konnte ich ihre Empfindungen und Entscheidungen in der zweiten Hälfte des Romans immer weniger nachvollziehen.
Das Ende selbst wiederum, nämlich Annas Brief an Julia, habe ich sehr schön und gut gefunden und er hat mich mit dem Buch versöhnt. Erst dadurch kommt meiner Meinung nach die Essenz des ganzen heraus. Daher 3 von 5 Sternen!