Birgit Birnbachers Ich-Erzählerin Julia kehrt mit Ende 30 zurück ins Elternhaus, in das entlegene Dorf in den österreichischen Bergen, wo die Zeit schon früher stillstand, vor dessen Enge sie seinerseits flüchtete.
In Julias Sätzen sind Wut und Frust dauerpräsent, über das gesellschaftliche Korsett, über die Erwartungen gerade an Frauen, die schon auf den Spielkarten nur als blutjunge Blumenmädchen oder als ausgezehrte alte Hutzelweibchen abgebildet sind. Julia ringt mit sich, sie begehrt auf, sie hinterfragt – aber das macht es nicht leichter, Entscheidungen zu treffen. Denn eine Entscheidung für sie, für ihr eigenes Leben, ist immer auch eine Entscheidung gegen etwas anderes, in diesem Fall gegen das Kümmern, gegen die Beziehung. Oder nicht?
Wie Birgit Birnbacher die Emotionen der Protagonistin sprachlich umsetzt, in Sätzen voller Gegensätze, in gezielten Wiederholungen, wird erst durch bewusstes, langsames Lesen deutlich und das ist faszinierend. Wie Julia aber auch Hoffnung schöpft durch bestimmte Begegnungen und Erlebnisse, wie sie alternative Lebensentwürfe prüft und langsam für möglich erachtet, lässt auch uns hoffen.
Ein knappes Jahr lang begleiten wir Julia in diesem ruhigen und doch kraftvollen Roman über das Leben. Für alle, die Freude an sprachlich wohlüberlegten Geschichten haben.