Die Autorin bringt mir auf unterhaltsame Weise eine Welt näher, die mir bisher unbekannt war. Ich kenne die Bilder, die elegante Damen mit Hüten, die üppig mit künstlichen Blumen dekoriert sind, zeigen. Ich habe mir nie Gedanken gemacht , woher sie kommen. Zu meiner Überraschung ist eines dieser Zentren, in dem diese Pracht hergestellt wurde, Sebnitz in Sachsen.
Die Geschichte beginnt 1865 genau dort. Clara und ihre verwitwete Mutter Elisabeth stellen Seidenblumen in Heimarbeit her. Das reicht gerade so zum Überleben. Elisabeth ist zögerlich und ohne großes Selbstvertrauen . Sie macht sich klein, um nicht aufzufallen oder gar das Missfallen der Männer , die das Sagen im Ort haben, zu erregen. Clara ist da ganz anders. Sie ist intelligent, selbstbewusst und sieht nicht ein, warum ihre Stimme und ihre Arbeit, die die Blumenfabrikanten reicht macht, keinen eigenen Wert besitzen soll. . Sie ergreift die Initiative und sucht nach neuen Abnehmer für ihre hervorragenden Produkte . Und ist erfolgreich, was den Neid der Männer befeuert und ihrer Mutter Alpträume beschert. Clara lässt sich nicht beirren, reist sogar nach New York, um ihre Blumen in die Welt hinaus zu tragen. Was so einfach klingt, ist ein Weg voller Hindernisse, für die Männer und die Tradition verantwortlich sind. Sie wird beleidigt, ausgegrenzt, sexuell bedrängt und man versucht, sie zu übertölpeln , um sie klein zu halten.
Ich habe Clara für ihren Mut und Zuversicht bewundert. Trotzdem wäre sie nicht so erfolgreich gewesen, wenn sie nicht immer wieder unerwartete Unterstützung von Weggefährten erhalten hätte Ich habe mit Clara gelitten und mich über ihre Erfolge gefreut. Und ständig war da die Wut über die Ungerechtigkeit und Arroganz der Männer.
Neben dieser stellenweise sehr aufwühlenden Geschichte hatte der Roman ein weiteres Highlight für mich dabei. Das waren die detaillierten und anschaulichen Beschreibungen des gesellschaftlichen Umfelds, der Wohnverhältnisse und der beschwerlichen Reisen. Besonders interessant fand ich die Dampfschifffahrt über den Ozean und die Eindrücke von New York. Das alles zusammen war sehr unterhaltsam, dabei auch informativ und hat mich in diese Welt eintauchen lassen. Ich sehe die in meinen Augen manchmal albern erscheinenden Hüte nun mit ganz anderen Augen, da ich weiß welche Arbeit, Mühe und auch Liebe dahinter stecken.