Drawn Together war mein erstes Buch von Mercedes Ron. Ich kannte weder die Autorin noch die vorderen Reihen oder Verfilmungen und bin deshalb völlig unvoreingenommen an die Geschichte herangegangen.
Der Einstieg fiel mir leicht. Das Buch liest sich flüssig und die Perspektivenwechsel sorgen dafür, dass die Handlung abwechslungsreich bleibt. Auch die Beziehung zwischen Marfil und Sebastian entwickelt sich in einem Tempo, das für mich grundsätzlich passend war. Die Entführung kam überraschend (wenn man nicht den Klappentext gelesen hat…) und hat anfangs durchaus Spannung erzeugt.
Leider wurden meine anfänglichen positiven Eindrücke immer wieder von zahlreichen Unstimmigkeiten überschattet. Besonders die Figur Marfil wirkte auf mich nicht konsequent ausgearbeitet. Einerseits wird sie als selbstbewusst und verführerisch beschrieben, andererseits widersprechen sich viele Aussagen über ihre Erfahrungen und ihr Verhalten. Ähnlich verhält es sich mit ihrem Verhältnis zu Geld: Sie betont mehrfach, nicht vom Vermögen ihres Vaters profitieren zu wollen, besitzt aber gleichzeitig luxuriöse Statussymbole. Diese Widersprüche wirkten auf mich nicht bewusst angelegt, sondern eher, als sei der Autorin selbst nicht ganz klar gewesen, wie sie ihre Protagonistin darstellen möchte.
Generell konnte ich zu keiner Figur eine wirkliche Verbindung aufbauen. Marfil verhält sich oft kindisch und verwöhnt, Sebastian überschreitet mehrfach Grenzen und auch die Nebenfiguren blieben für mich wenig sympathisch. Dadurch fiel es mir schwer, emotional in die Geschichte einzutauchen.
Im letzten Drittel wurde die Handlung zunehmend überladen. Einige Enthüllungen verloren ihre Wirkung, weil sie in unpassenden Momenten platziert wurden oder zu schnell abgehandelt waren. Einzelne Nebenhandlungen wirkten unnötig und kaum ausgearbeitet. Auch die Erklärungen zu bestimmten Entwicklungen konnten mich nicht überzeugen und erschienen teilweise konstruiert.
Zusätzlich häuften sich gegen Ende Tippfehler und sprachliche Ungenauigkeiten, was den Lesefluss weiter beeinträchtigte. Gerade in emotional wichtigen Szenen hätte ich mir ein sorgfältigeres Lektorat gewünscht.
Insgesamt hatte Drawn Together durchaus spannende Ansätze und einen angenehmen, leicht lesbaren Stil. Die vielen Widersprüche in Figurenzeichnung und Handlung sowie die fehlende emotionale Bindung zu den Charakteren haben für mich jedoch verhindert, dass mich die Geschichte wirklich mitreissen konnte. Den Folgeband werde ich deshalb vermutlich nicht lesen und auch weitere Bücher der Autorin stehen momentan nicht auf meiner Wunschliste.