Zuallererst rate ich allen davon ab den Klappentext zu lesen, der ist nämlich leider voller Spoiler.
Die Honigfrauen – Ein Sturm zieht auf von Mirjam Müntefering hat mir sehr gefallen. Es handelt sich um einen historischen Familienroman, der atmosphärisch sowie gefühlvoll ist und sich in Deutschland des Jahres 1910 abspielt.
Der Schreibstil vermittelt die Stimmung der Zeit sehr schön, ohne zäh oder überladen zu wirken. Die Dialoge fühlen sich zeitgemäss und authentisch an, aber trotzdem liest sich alles angenehm flüssig.
Die Handlung lebt stark von Familiengeheimnissen und alten Verletzungen. Mir hat sehr gefallen, dass es immer wieder kleine Hinweise, Blicke, Reaktionen oder versteckte Details gibt, bei denen man sich fragt „Was steckt da wirklich dahinter?“ und man Vermutungen anstellt. Das erzeugt eine gewisse Spannung.
Auch die Figuren fand ich sehr gelungen. Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt: Frauen aus drei verschiedenen Generationen.
Irma, die jüngste, mochte ich sehr. Sie ist offen, zuversichtlich, neugierig und hat den Wunsch, ihren eigenen Weg zu finden. Ihre Szenen mit Eugen fand ich teilweise sehr süss. Da hatte ich selbst fast Herzflattern. Gleichzeitig bringt Arno auch eine gewisse Spannung hinein. Ich wusste zwischendurch wirklich nicht, wen ich anfeuern soll.
Auguste hat mich berührt, weil sie im Laufe der Geschichte mit so vielen schmerzhaften Wahrheiten konfrontiert wird. Als Figur ist sie interessant und menschlich.
Auch mit Harriet fühlt man mit. Ihre Geschichte habe ich gespannt mitverfolgt.
Sehr toll fand ich, dass es in diesem Buch um Frauen geht, die nicht einfach passiv bleiben, sondern ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen. Sie müssen mit den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit umgehen, mit finanziellen Sorgen, Familienpflichten und persönlichen Enttäuschungen, aber trotzdem entsteht immer mehr der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen.
Für mich ist dieses Buch ein schöner Auftakt. Das Ende macht grosse Lust auf den zweiten Band.