Das Traumcover des Buches mit den schönen Farben hat mich natürlich sofort in den Bann gezogen und neugierig darauf gemacht, was noch folgen wird. Die Idee klang nämlich vielversprechend.
Das Buch hat sich wirklich leicht lesen lassen. Der ganze Schreibstil und auch die Geschichte waren sehr locker aufgebaut, weshalb man mit einem relativ schnellen Tempo hindurch kam. Es war somit auch ein nettes Buch, um einfach den Kopf abschalten zu können.
Die Lockerheit wurde aber auch ein stückweit zum Problem. Das Buch redet im Klappentext über die Selbstfindung, was ja auch geschieht, aber wesentlich zu einfach und zu schnell. Leilany und Keiran stehen vor riesigen Umstellungen, müssen ihr bekanntes Umfeld für immer verlassen und sich in einer Welt zurechtfinden, von der sie bisher nur gewisse Ansätze gehört haben, was an sich allein schon ein grosses Hindernis ist, geschweige denn, danach in dieser Welt einen Platz zu finden. Gleichzeitig stehen sie vor einer Mission, die sie erfüllen müssen, aber von der sie noch nicht mal wissen, wo es hingeht.
Das mit der Mission kann ich ja noch verstehen. Beide finden innerhalb des gleichen Tages nämlich noch heraus, welche Route sie beschlagen müssen und geschichtsmässig macht es immerhin ein stückweit Sinn, danach die Selbstfindung und Aufgabenerfüllung des jeweiligen auf den einen Ort zu beschränken an welchem sie sich auch einleben müssen, auch wenn ich gerne auch eine Reise gesehen hätte, die mehr Konflikte und Überlegungen mit sich gebracht hätte.
Das aber danach immer alles reibungslos funktioniert, ist einfach nur schräg: Beide finden ohne Problem innert Tagen eine Bleibe und neue Freunde und Geld haben sie sowieso immer genug. Beide treffen auf dutzende mehr als nur hilfsbereite Leute, die ebenfalls immer gleich die Mittel haben (niemand kann mir weismachen, dass gleich mehrere Restaurants und Läden einfach mal direkt bei einer Suppenküche mitmachen wollen, die zuvor nicht gelaufen ist und nun von einer kompletten Fremden, die noch nicht einmal eine Woche dort ist und noch kein richtiges Konzept hat, neu aufgebaut werden soll). Beide haben direkt ihre Leidenschaft entdeckt und beide haben absolut gar keine Probleme mit dieser fremden neuen Welt, bis hin zu Nischenanspielungen, wie Miss America, die sie einfach mal so verstehen können. Bis auf einige Erwähnungen des jeweils anderen vermissen sie sich auch nicht gross und die neuen Liebschaften scheinen für sie ebenfalls kein grosser Konflikt zu sein. Auch sind es nie sie selbst, die direkt Probleme haben. Sie bekommen von Problemen mit (und helfen dabei auch), aber das stört sie in ihrer Laufbahn nicht direkt und selbst dann sind die Probleme praktisch immer gleich gelöst.
Ein stückweit hat das mit den zeitlichen Erwähnungen zu tun. Oft wird davon geredet, wie sie am nächsten Tag aufwachen und wieder das nächste tun. Erst irgendwann bei Keiran wird dann mal erwähnt, dass schon ein Dreivierteljahr vergangen ist. Das würde aber riesige Zeitsprünge andeuten, in denen dann ebenfalls einfach alles reibungslos gelaufen ist, was ebenfalls nicht wirklich von Vorteil ist.
An sich ist es ja mal wirklich erfrischend zu sehen, wenn man auf ein Buch stösst, in dem nicht gleich jeder der Feind ist (gerade im Fantasybereich, in dem ich mich bewege, haben die Protagonisten oft mehr Feinde als Freunde, aus den verschiedensten Gründen), aber das einfach alles immer bestens läuft und jeder freundlich und hilfsbereit ist und oft irgendwo gleich eine Lösung im Ärmel hat, ist doch auch etwas zu viel des Guten. Es hilft natürlich besonders bei der Thematik des Zurechtfindens in der neuen Welt nicht, denn wie sollen die Protagonisten mehr über sich selbst lernen, wenn es ja nie Probleme gibt, die sie bewältigen müssen?
Das Buch steht dort einfach ein stückweit mit sich selbst in Konflikt. Es ist eine nette, wenn auch leicht naive Erzählung, die aufzeigt, wie einfach es sein könnte, wenn jeder einfach immer offen und hilfsbereit wäre (dass das, selbst wenn alle Menschen so drauf wären, nicht immer möglich ist, weil doch auch viele andere Faktoren eine Rolle spielen, lasse ich mal liegen) und in dieser Hinsicht ist es ein schönes Buch, welches ich auch wirklich gerne und schnell weggelesen habe. Aber wenn der Klappentext davon redet, wie zwei Menschen ihren Weg finden sollen, in einer Welt, in welcher dieser so einfach zu finden ist, dann geht das für mich nicht auf. Der Klappentext hätte in dieser Hinsicht anders aufgebaut werden sollen, denn so stimmen die Erwartungen nicht mit der Realität überein und das ist eben das, was für die grösste Enttäuschung sorgt. Ich habe immer auf den Moment gewartet, an welchem zumindest einer von ihnen vor einem scheinbar unüberwindbaren Hindernis steht und nun lernen muss neue Wege zu gehen, aber das kam nie.
Ohne diesen Erwartungskonflikt ist das Buch aber noch immer lesenswert und ich kann es als nette Lektüre, zum Abschalten empfehlen. Man kommt rasant hindurch und muss nicht viel überlegen (sollte man auch nicht, sonst bricht das Konzept auch schnell auseinander), was auch immer ein grosses Plus ist. Ich würde einfach stark empfehlen, nicht im Voraus den Klappentext zu lesen und sich einfach so darauf einzulassen, damit dieser Konflikt nicht entsteht, aber für mehr als aufgerundete vier Sterne reicht es nicht.