He Who Drowned the World verstärkt alle Schwierigkeiten, die ich mit dem ersten Band hatte. War Zhu schon in She Who Became the Sun rücksichtslos und zunehmend unsympathisch, schlägt ihre Ambition im zweiten Band das für mich endgültig in Grössenwahn um. Für mich blieb unklar, warum Zhu den Thron überhaupt besteigen will, abgesehen von ihrem Ego. Der Roman präsentiert ihren Machtanspruch als etwas Grosses und Bedeutendes, doch ich konnte nie erkennen, welche Vision für das Reich dahintersteht.
Andere Figuren haben nachvollziehbare Motive, innere Konflikte und emotionale Widersprüche. Deutlich interessanter als Zhu fand ich Ouyang und Baoxiang. Beide Figuren besitzen eine Tiefe und Ambivalenz. Ouyang bewegt sich weiterhin zwischen Loyalität, Hass, Liebe und Selbstzerstörung, während Baoxiang mit seinen eigenen Wünschen und seiner Identität ringt. Ihre Entscheidungen sind oft widersprüchlich, aber gerade deshalb nachvollziehbar. Sie erscheinen menschlich, selbst wenn sie fragwürdige Dinge tun.
Sprachlich ist der Roman weiterhin atmosphärisch und die politischen Intrigen sowie die historische Kulisse sind interessant gestaltet. Dennoch konnte mich die Geschichte insgesamt nicht überzeugen. Wer bereits im ersten Band Schwierigkeiten mit Zhu hatte, wird vermutlich auch hier nicht warm mit ihr werden.