Es geht weiter mit der Geschichte um Eilis Lacey, die Colm Tóíbin mit “Brooklyn” begonnen hat. Sie hat in eine amerikanische Familie italienischen Ursprungs eingeheiratet. Am Anfang der Geschichte, erfahren wird, dass Tony, ihr Mann, eine Affäre mit einer anderen verheirateten Frau hatte. Diese Frau ist von ihm schwanger. Das bringt Eilis zur einer ersten Entscheidung – wie reist nach Irland in den kleinen Ort, wo ihre angestammte Familie lebt, auch zum 80. Geburtstag ihrer Mutter. Dort trifft sie auch Jim Farrell wieder, mit dem sie eine kurze, versteckte Beziehung hatte. Jim seinerseits hat eine heimliche Beziehung mit Nancy, Eilis bester Freundin aus alten Zeiten. Diese Beziehung wollen sie erst öffentlich machen, nachdem die Hochzeit von Nancys Tochter über die Bühne gegangen ist.
Diese miteinander verbundenen Charaktere und deren Geschichten zeichnen die Geschichte, die Tóibín hervorragend in Szene zu bringen vermag. Die Sehnsüchte, unerfüllte Bedürfnisse, Leidenschaften, die persönlichen Konflikte, welche die Protagonisten mit sich selbst ausfechten müssen, um grosse Entscheidungen zu treffen, werden einem erlebbar gemacht. Dabei, was ich ausgesprochen schätze, hat es der Autor nicht nötig, grosse Worte zu verwenden und überschwänglich zu werden.
Colm Tóibín lässt einen über den ganzen Roman hinweg im Ungewissen, wie er ausgeht. Er findet einen aus meiner Sicht guten Schluss – es ist weder alles offen, noch ist das letzte Wort gesagt. Mir gefällt das sehr gut.
Die deutschsprachige Ausgabe ist hier zu finden: Long Island