Auf Johannifeuer von Susanne Betz war ich eigentlich recht gespannt, weil ich historische Romane grundsätzlich sehr gerne lese und die Ausgangslage durchaus interessant klang. Das karge Leben einer Bergbäuerin Ende des 19. Jahrhunderts, der Gegensatz zwischen harter Realität und romantisierter Bergwelt. Beim Lesen merkt man, dass es gut recherchiert ist. Die Lebensumstände, die Armut, die Enge des Dorfes und die körperliche Erschöpfung der Protagonistin werden sehr glaubhaft dargestellt.
Leider hat mich das Buch trotzdem nicht packen können. Der Erzählstil war mir persönlich zu gemächlich und stellenweise einfach zu schwerfällig. Ich mag atmosphärische historische Romane sehr, aber hier hatte ich oft das Gefühl, dass die Geschichte nicht richtig vorankommt. Vieles wurde für mich zu ausführlich beschrieben, ohne dass dadurch mehr Spannung oder emotionale Nähe entstanden wäre. Statt mich in die Handlung hineinzuziehen, hat mich der Stil eher auf Distanz gehalten.
Mit Vroni hatte ich ebenfalls meine Schwierigkeiten. Sie blieb mir über weite Strecken fremd, und dadurch haben mich auch ihre inneren Konflikte weniger berührt, als ich es mir gewünscht hätte.
Was ich dem Buch zugutehalte, ist die historische Atmosphäre. Die Autorin schafft es durchaus, diese raue Bergwelt und das einfache, mühsame Leben bildlich vor Augen zu führen. Auch der Kontrast zwischen Fortschritt, Stadtleben und ländlicher Abgeschiedenheit ist interessant. Für mich hat das aber leider nicht gereicht, um die zähe Lektüre auszugleichen.
Insgesamt ist es kein schlechtes Buch, aber eben keines, das mich begeistern konnte. Wer sehr ruhige, ausführlich erzählte historische Romane mag, könnte hier mehr Freude daran haben. Für mich war es leider eher langweilig und mühsam zu lesen.