„Renata wasweißich“ ist ein seltsames, radikales und wirklich eigenwilliges Buch. Der Roman erschien ursprünglich schon 1967 in Frankreich und ist erst jetzt auf Deutsch erschienen. Unglaublich eigentlich, aber vielleicht passt er gerade heute besonders gut.
Renata kündigt ihre Stelle und will frei sein. Nicht ein bisschen frei, sondern total frei. Frei von Arbeit, von Geld, von Regeln, von Häusern, von Menschen, die ihr helfen wollen, von allem, was irgendwie über sie bestimmen könnte. Das klingt zuerst fast komisch und auch sympathisch, weil Renata so gar nicht in diese Welt passt. Sie ist eine Außenseiterin, eine, die nicht funktionieren will.
Der Stil ist dabei mindestens so wichtig wie die Geschichte. Das ganze Buch ist wie ein einziger langer Monolog geschrieben, ohne normale Punkte, nur durch Kommas getrieben. Dadurch entsteht ein starker Sog. Man ist fast die ganze Zeit in Renatas Kopf, jeder kleine Schritt, jeder Gedanke, jede Beobachtung wird mitgezogen. Das ist sehr ungewöhnlich und manchmal denkt man auch: Okay, ich habe jetzt verstanden, wie sie tickt. Aber gerade diese Konsequenz macht das Buch so besonders.
Was mich wirklich beeindruckt hat: Catherine Guérard denkt Renatas Freiheitsbegriff bis zum Ende durch. Und dieses Ende ist nicht bequem. Renata ist nicht einfach eine sympathische Freiheitsheldin. Sie ist übertrieben, ungerecht, teilweise neurotisch, manchmal auch gefährlich. Aber genau das macht den Roman stark. Er zeigt nicht Freiheit als schönen Traum, sondern Freiheit in extremis.
Besonders nahe ging mir, dass Renata so radikal nicht in diese Welt passt. Sie ist keine Figur, die man einfach sympathisch finden muss, aber sie ist eine, die sich nicht passend machen lässt.
Ein Buch, wie ich es so wirklich noch nie gelesen habe. Nicht leicht einzuordnen, nicht schön bequem, aber sehr stark.
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