Bereits beim Prolog habe ich gespürt, dass dieses Buch sehr intensiv sein wird. Dass es mich am Schluss innerlich so zerreissen wird, damit habe ich nicht gerechnet.
Elira und Maelia sind Zwillingswestern, könnten unterschiedlicher nicht sein und doch sind sie im Herzen eins. Elira versucht die Kontrolle zu bewahren, zeigt sich nach aussen sehr reserviert und kümmert sich in London um ihre kranke Mutter. Maelia lebt bei ihrer Tante und ihrem Onkel in Zürich und versucht ihren Weg zu gehen, immer begleitet von einem Gefühl, dass ein wichtiger Teil ihres Lebens fehlt.
Wisst ihr was ich an Jessis Büchern so besonders finde? Sie sind nicht einfach «nur» New Adult Bücher. Es sind Bücher, die auf besondere Art und Weise das Herz berühren. Bücher, in denen wir ebenso mit schweren Themen konfrontiert werden, wie auch mit glücklichen Momenten. Im aktuellen Buch geht es vor allem um Tod, Essstörungen, Multiple Sklerose, Parentifizierung und Kontrollzwang. Themen die viele junge Menschen beschäftigen.
Jessi hat ein grossartiges Talent, die verschiedenen emotionalen Ebenen auf Papier zu bringen. Ich habe mit Elira und Maelia mitgelitten und wollte manchmal ins Buch springen, um die beiden in die richtige Richtung zu lenken. Zwischen Freude und Leid liegt manchmal ein schmaler Grat, und die inneren Kämpfe, die die beiden durchstehen müssen, habe ich sehr gut gespürt.
«Lautlos fallen wir» zeigt auf, dass wir versuchen sollten, jeden Moment zu geniessen, den wir mit unseren Liebsten haben. Niemand von uns weiss, wann es das letzte Mal sein wird. Auch den Drang nach Perfektionismus sollten wir ablegen. In einer Gesellschaft die uns nur noch Schwarz oder Weiss aufzeigt, kann das für junge wie auch für ältere Menschen sehr belastend sein.
Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung! Ein starkes Buch, das mich total abgeholt hat, ein Buch, das mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Ein Schreibstil, der unglaublich intensiv ist.