Juli, August, September hat mich ratlos zurückgelassen. Selten habe ich einen Roman beendet und mich so deutlich gefragt: Was wollte mir die Autorin eigentlich erzählen? Warum ist genau diese Geschichte erzählenswert?
Im Zentrum steht Lou, die scheinbar nirgendwo wirklich zu Hause ist. In Berlin fühlt sie sich als Jüdin nicht vollständig akzeptiert, gleichzeitig lebt sie ihr Judentum kaum. Weder spielt es in ihrem Alltag eine größere Rolle, noch gibt sie diese Identität an ihre Tochter weiter. Doch auch in Israel, im Kreis ihrer jüdischen Familie, findet sie keinen Ort, an dem sie wirklich ankommt. Es wirkt, als gehöre sie weder hierhin noch dorthin.
Besonders auffällig fand ich ihre Beziehung zu ihrem Mann. Während er ganz in seiner Musik aufgeht, scheinen tiefgründige Gespräche und echte Nähe zwischen den beiden kaum stattzufinden. Allerdings liegt das nicht allein an ihm. Lou entzieht sich immer wieder den Konflikten und Fragen ihres Lebens. Statt sich ihnen zu stellen, tut sie das, was sie am besten kann: davonlaufen.
Genau deshalb wirkte auch ihre Suche nach familiären Wahrheiten auf mich zunehmend fragwürdig. Sie jagt Erinnerungen, Deutungen und Erzählungen hinterher, obwohl diese zwangsläufig subjektiv bleiben. Eine eindeutige Wahrheit kann es hier kaum geben. Umso mehr fragte ich mich, was Lou sich eigentlich von dieser Suche erhofft und ob sie nicht vor allem ein weiterer Versuch ist, den wirklich wichtigen Fragen ihres Lebens auszuweichen.
Vielleicht liegt genau darin die Aussage des Romans. Vielleicht geht es gar nicht darum, Antworten zu finden, sondern darum zu zeigen, wie Menschen sich selbst im Weg stehen können. Für mich blieb diese Botschaft jedoch zu vage. Das Buch hat interessante Themen rund um Identität, Zugehörigkeit, Erinnerung und Familie angeschnitten, mich emotional aber nie wirklich erreicht.
Juli, August, September ist ein Roman, der viele Fragen aufwirft. Leider hatte ich am Ende das Gefühl, dass er mir kaum Anhaltspunkte dafür gegeben hat, warum ich mich mit diesen Fragen beschäftigen sollte.