Das ist ein Buch, das ganz okay war zum Lesen. Der eher gemächliche Erzählstil gehört zwar nicht unbedingt zu meinen Favoriten, aber manchmal tut es eigentlich ganz gut, etwas Ruhigeres und Unaufgeregteres zu lesen. Der Schreibstil ist flüssig, man kommt schnell durch die Seiten und das Setting auf Hiddensee hat mir grundsätzlich gut gefallen.
Die Atmosphäre rund um das Kurbad und die Insel fand ich schön und die gesellschaftlichen Zwänge der Zeit interessant, auch wenn nicht näher darauf eingegangen wird. Besonders mochte ich, dass es um Frauen geht, die auf unterschiedliche Weise versuchen, ihren eigenen Weg zu finden. Ediths Entwicklung fand ich interessantesten, weil sie anfangs noch recht naiv wirkt, aber im Verlauf der Geschichte doch zunehmend merkt, was sie wirklich will.
Mit den Männern in dieser Geschichte hatte ich dagegen meine Mühe. Manche haben sich dann weiterentwickelt, andere blieben bis zum Schluss unangenehm und haben dennoch ein gutes Ende bekommen.
Was mich leider etwas gestört hat, war die emotionale Distanz des Erzählstils. Viele Szenen werden eher sachlich zusammengefasst, fast so, als würde man einen Bericht lesen. Dadurch konnte ich mit den Figuren und vor allem mit den Liebesgeschichten nicht so richtig mitfiebern. Bei manchen Entwicklungen hatte ich deswegen das Gefühl, dass sie sehr plötzlich kamen, obwohl sie inhaltlich eigentlich nachvollziehbar waren. Mir fehlte einfach mehr Aufbau, mehr Gefühl und mehr Tiefe.
Daher finde ich, dass in dieses eher kurze Buch zu viele Geschichten hineingepackt wurden. Drei Liebesgeschichten auf so wenig Raum haben für mich dazu geführt, dass zwei davon recht oberflächlich geblieben sind. Die Liebesgeschichte von Edith empfand ich als die natürlichste und glaubwürdigste im Buch, denn sie hatte mehr Tiefe. Aber auch da hätte ich gern mehr Raum für die Gefühle und die Entwicklung gehabt. Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller gewesen, wenn der Fokus mehr auf Edith und Johannes gelegen hätte und die anderen Handlungsstränge eher am Rand mitgelaufen wären.
Trotzdem gab es einige schöne Momente. Manche Szenen hatten einen leichten, fast humorvollen Charme, und das Ende war insgesamt warm und zufriedenstellend. Besonders schön fand ich auch die Idee, dass nicht nur die Liebe im Mittelpunkt steht, sondern auch der Wunsch nach Unabhängigkeit und nach einem selbstbestimmten Leben.
Alles in allem war dieses Buch für mich eine angenehme, ruhige Lektüre für zwischendurch. Das Setting ist schön, die Grundidee gefällt mir und das Happy End war wohltuend, auch wenn mich die Geschichte emotional nicht ganz erreichen konnte.