An Simone Veenstras Roman «Brombeerblaue Tage» begeistert mich so viel: die floralen Details, die Stille auf Rügen, die Naturverbundenheit, ihre Hauptfigur, Elisa, deren Beruf, Leidenschaft und wie sie sich ihren Zweifeln stellt.
Elisa ist freiberufliche Landschaftsarchitektin: flexibel, fleissig, zuvorkommend sind Adjektive, mit denen sie meist bedacht wird und worauf sie stolz ist. Doch das führt zu Überstunden, Nachtarbeit und zunehmender Einsamkeit. Als ihr Vater sie nach Rügen lockt, gerät für sie Vieles in Bewegung und sie stellt sich zunehmend die Frage: Wer will ich sein, wer will ich werden? Sie dabei zu begleiten, zu sehen, wie sie im Bemühen, es allen recht zu machen, sich selbst aus dem Blick verliert und in der neuen Umgebung wiederfindet, ist schmerzhaft realistisch, aber zugleich ermutigend, tröstlich und wohltuend. Es ist auch eine Geschichte der Versöhnung, des Vergebens, was sich bereichernd liest.
Die Beschreibungen der Landschaft lassen uns selbst zur Ruhe kommen. Veenstra spricht dabei alle unsere Sinne an. Zudem hat sie den Roman ergänzt um die (scheinbar leider fiktive) Geschichte eines Bundes gärtnernder Frauen, die gegen alle Widerstände ihrer Zeit auf dem Anwesen von Elisas Vater erfolgreich Pflanzen zum Färben kultiviert und erforscht haben. Zwischen die Kapitel hat die Autorin Steckbriefe diverser Pflanzen gesetzt, die Elisa auf dem Gelände ihres Vaters findet. Ein Detail, das mir ebenfalls gut gefallen hat.
«Brombeerblaue Tage» ist ein entschleunigender Roman über Familie, Freundschaften, Selbstfindung, Grenzen und alles, was das Leben lebenswert macht. Einfach schön.