Eva Pramschüfers Debütroman „Weisser Sommer“ erzählt von Alma und Théo, die einen letzten gemeinsamen Sommer in Südfrankreich verbringen. An dem Ort, an dem ihre Beziehung einst begonnen hat, versuchen sie herauszufinden, ob ihre Liebe noch eine Zukunft hat oder ob sie sich bereits voneinander entfernt haben.
Besonders hervorzuheben ist die Sprache des Romans. Pramschüfer schreibt sehr atmosphärisch und mit einem genauen Blick für Stimmungen und kleine Beobachtungen. Die Hitze des Sommers, unausgesprochene Gedanken und die Unsicherheit einer Lebensphase zwischen Ankommen und Aufbruch werden immer wieder spürbar eingefangen. Viele dieser Momente laden zum Nachdenken ein und wirken lange nach.
Gleichzeitig ist „Weisser Sommer“ kein Roman, der von einer starken Handlung lebt. Die Erzählung entwickelt sich langsam und bewegt sich zwischen Gegenwart und Erinnerungen. Dadurch entsteht eine dichte Atmosphäre, allerdings blieb ich den Figuren über weite Strecken eher auf Abstand. Alma und Théo wirken zwar nachvollziehbar in ihrer Orientierungslosigkeit, ihre Verbindung zueinander blieb für mich jedoch oft schwer greifbar. Ich konnte verstehen, warum ihre Beziehung ins Wanken gerät, aber weniger, was sie im Kern zusammenhält.
Auch die häufige Sprachlosigkeit zwischen den beiden hat mich zunehmend eher distanziert als berührt. Konflikte werden angedeutet, aber selten wirklich ausgetragen, was die Dynamik der Beziehung stellenweise schwer zugänglich macht.
Insgesamt ist „Weisser Sommer“ ein ruhig erzählter Roman mit einer besonderen Atmosphäre und vielen treffenden Beobachtungen. Die Sprache hat mich dabei immer wieder überzeugt, während mir die emotionale Nähe zu den Figuren häufig gefehlt hat. Am Ende bleibt ein Buch, das ich durchaus gerne gelesen habe, mich aber nicht vollständig erreichen konnte.