Welch ein Glück, Teil eines Buchclubs zu sein (oder von mehreren ). Sonst hätte ich «Please unfollow» vermutlich nicht gelesen. So aber hat mich der bissige Humor von Ich-Erzählerin Sherry von der ersten Seite an ins Buch gezogen. Sie hat eine Straftat begangen (wir wissen aber lange nicht welche) und ist nun auf dem Weg in ein Resozialisierungsprogramm in der Sächsischen Schweiz. Eigentlich besteht ihr Plan darin, schon in der ersten Nacht zu türmen und tatsächlich gelingt es ihr, sich mit Bettlaken aus dem Fenster abzuseilen – nur um dann doch zu bleiben.
Im Verlauf der mehrere Monate umfassenden Geschichte wird Sherry nicht nur volljährig, wir erfahren in eingeschobenen Rückblenden auch, wie sie nach Wolkenstein kam. Die Rückblenden bestehen aus Beschreibungen der Social-Media-Inhalte, die Sherrys Eltern seit ihrer frühesten Kindheit hochgeladen und mit mehreren Millionen Followern geteilt haben. Diese Ausschnitte und die darauffolgenden Kommentare machen auf drastische Weise deutlich, was es für Kinder bedeutet, derart zur Schau gestellt zu werden.
Basma Hallaks Roman ist packend und emotional aufwühlend, die ein oder andere Lesepause tat mir gut. Wir empfinden Sherrys Wut, Hilfslosigkeit, Trauer und Verunsicherung mit, aber auch die langsam wachsende Hoffnung darauf, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Sensibel und zugleich dringlich, mit vielen leichten, verrückten, abenteuerlichen Momenten dank Sherrys Schicksalsgemeinschaft in Wolkenstein, ruft «Please unfollow» dazu auf, bei entsprechendem Content nicht zu- oder wegzusehen, sondern sich aktiv für den Schutz der Kinder einzusetzen.