Auf Treu und Glauben von Donna Leon beginnt für Brunetti eigentlich mit Ferien – doch wie so oft kommt alles anders. Statt Erholung wartet ein Fall, der ihn mit Menschen konfrontiert, die ihr wahres Leben verbergen müssen.
Im Zentrum steht die Frage, was es mit Menschen macht, wenn sie nicht offen sein können, wenn sie ihre Identität oder ihre Liebe verstecken müssen. Donna Leon zeigt eindrücklich, wie Ausgrenzung und gesellschaftliche Erwartungen Menschen in schwierige Situationen drängen können – und welche Folgen das haben kann.
Die Geschichte entwickelt sich ruhig und ohne grosse Effekte, lebt aber von den Schicksalen der Figuren und den menschlichen Fragen, die dahinterstehen. Gerade weil der Fall eng mit persönlichen Lebensrealitäten verbunden ist, wirkt er lange nach.
Besonders gefallen hat mir Brunettis Beharrlichkeit. Weder gesellschaftliches Ansehen noch Rang oder Einfluss halten ihn davon ab, Fragen zu stellen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Er begegnet Menschen mit derselben Aufmerksamkeit, unabhängig davon, welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen. Gerade diese Hartnäckigkeit macht ihn als Ermittler so überzeugend.
Auf Treu und Glauben ist ein ruhiger Brunetti-Fall über Identität, Liebe und die Folgen einer Gesellschaft, die Menschen nicht immer so sein lässt, wie sie sind.