Weit mehr als eine gewöhnliche Liebesgeschichte: „Alle lieben Dandelion, aber sie ist tot“ ist eine tiefgründige, oft schwermütige Auseinandersetzung mit den Themen Verlust, Identität und der komplizierten Dynamik zwischen zwei Schwestern.
Die Geschichte beginnt mit einer verzweifelten Tat: Poppy, die sich selbst oft nur als Schattenwesen neben ihrer charismatischen Schwester Dandelion wahrgenommen hat, schlüpft nach deren Tod in ihre digitale Identität. Sie beginnt ein Hinge-Match mit Jake, der glaubt, mit der lebendigen, feurigen Dandelion zu schreiben. Was als ein Versuch beginnt, der Schwester für eine Nacht nah zu sein, entwickelt sich zu einem komplexen Geflecht aus Lügen und einer überraschend tiefen Verbindung.
Der Schreibstil von Rosie Storey hat gut gefallen. Die Mischung aus absurdem Humor und fast physisch spürbarem Schmerz ist gut gelungen. Besonders spannend fand ich die Charakterentwicklung von Poppy. Es war aufregend zu sehen, wie sie im Laufe der Geschichte lernt, dass sie nicht die Identität ihrer Schwester stehlen muss, um „lebendig“ zu sein, sondern ihr eigenes Feuer entdecken darf.
Allerdings muss ich sagen, dass das Buch für mich im Mittelteil etwas zäh wurde. Die Handlung plätscherte zeitweise etwas dahin und die Charaktere – insbesondere Jake in seiner Phase des extremen Selbstmitleids – machten es einem nicht immer leicht, sie zu mögen. Zudem ist die Atmosphäre des Buches allgemein ziemlich bedrückend. Die Themen Cybergrooming, Suizid in der Familie und der ständige Schatten des Todes machen die Lektüre zu einer eher schweren Kost.
Der letzte Teil hat für mich jedoch vieles wieder herausgeholt. Die Auflösung um Dandelions Vergangenheit und ihr vermeintlicher „Verrat“ mit Sam werfen ein völlig neues Licht auf ihre schützende, wenn auch extreme und ziemlich kuriose, eigensinnige Art. Das versöhnliche Ende und der Ausblick auf einen Neuanfang haben die Geschichte für mich rund abgeschlossen.
Ein ungeschöntes Buch über Trauer und die Suche nach der eigenen Wahrheit. Wer eine leichte Sommerlektüre sucht, ist hier falsch, aber wer sich auf eine emotionale Achterbahnfahrt einlassen möchte, wird mit einem starken Ende belohnt. Wegen der zeitweise zähen Handlung und der sehr düsteren Grundstimmung vergebe ich solide 3,5 Sterne.