O Caledonia ist kein Buch, das man einfach schnell wegliest. Schon nach wenigen Seiten merkt man: Diese Sprache ist anders. Sie ist bildreich, verschachtelt, manchmal fast überfüllt, voller Natur, Tod, Tiere, alter Geschichten und dunkler Familienatmosphäre. Am Anfang hatte ich Mühe, in diesen Stil hineinzukommen, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, wie stark er ist.
Im Mittelpunkt steht Janet, ein Mädchen, das nicht in ihre Familie und nicht in diese Welt passt. Sie wächst im schottischen Norden auf, in einer Umgebung, in der Mädchen noch als minderwertige Form von Jungen gesehen werden. Janet ist klug, wild, neidisch, verletzlich, manchmal grausam und oft schwer zu mögen. Genau das fand ich stark: Barker macht aus ihr keine sympathische Heldin. Sie zeigt ein Kind, das verletzt ist und selbst verletzt.
Besonders eindrücklich fand ich Janets Beziehung zur Natur und zu den Tieren, vor allem zur Dohle. Die Tiere wirken manchmal menschlicher und treuer als die Menschen um sie herum. Auch die Verbindung zu Literatur, alten Sagen, Gedichten und Mythologie zieht sich durch das ganze Buch. Manchmal war mir das fast zu viel, weil viele Sätze sehr dicht und verschachtelt sind. Aber gerade diese Überfülle macht auch die Atmosphäre aus.
Für mich ist O Caledonia ein dunkler, eigenwilliger und sehr literarischer Roman über Anderssein, Einsamkeit, Familie und eine Welt, in der ein Mädchen wie Janet keinen Platz bekommt. Kein einfaches Buch, aber ein starkes. Und eines, das nachhallt.
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