Wer hätte gedacht, dass ein Freundetreffen so ausufern kann? Fast Abend, immer noch hell zeigt, wie sich Freundschaften über die Jahre verändern, genauso wie die Menschen selbst. Linea Maja Ernst schreibt über aktuelle Beziehungsformen, Verlangen und all das, was oft unausgesprochen zwischen Menschen steht.
Vieles spielt sich in den Köpfen der Figuren ab. Gespräche bleiben unvollständig, Gedanken unausgesprochen und doch brodelt es unter der Oberfläche wie ein Vulkan. Die Figuren wirken dabei eher unsympathisch, was dem Buch für mich aber einen besonderen Reiz verliehen hat.
Durch die wechselnden Perspektiven verliert man zwischendurch fast den Überblick, gleichzeitig entsteht dadurch eine gewisse Dynamik. Dieses Buch macht wütend, nervt stellenweise und fordert heraus und genau deshalb hat es sich im Nachhinein sehr gelohnt, es zu lesen. Ausserdem verbringt man gedanklich einige Zeit in einem Sommerhaus in Dänemark, was zumindest atmosphärisch zum Verweilen einlädt.