In seinem Buch “Lattenschuss und Abseitsfalle” nutzt der Autor Franz Hafermeyer die Kulisse des Amateurfußballs perfekt, um eine authentische, humorvolle und gleichzeitig spannende Atmosphäre aufzubauen.
Schon beim Einstieg in den Kriminalroman wird die Leserschaft direkt in das idyllische, aber sportlich hochemotionale Donauwörth entführt. Die Ausgangslage ist clever konstruiert, denn nur wenige Tage vor dem wichtigsten Aufstiegsspiel der Damenmannschaft des SV Donauwörth und kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2026, die immer wieder erwähnt wird und damit gleich den perfekten Bogen zum diesjährigen Großereignis spannt, verschwindet der beliebte Physiotherapeut Stefan Sänger spurlos. Und wer sagt da schon, dass die Kripo immer die Nase vorn haben muss? Die fußballbegeisterten Damen des SV Donauwörth sind der Polizei stets eine nasenlänge voraus, da der Trainer und die Herrenmannschaft die Situation lieber aussitzen wollen, geht das Trio aus Kapitänin Ina, Abwehr-Ikone Tanja (liebevoll „Methusalem“ genannt) und der quirligen Loretta selbst in die Offensive. Sie finden sich mitten in einem Wespennest aus Vereinsneid, geheimen Affären und kriminellen Machenschaften wieder.
Die Mischung aus sportlichem Ehrgeiz und detektivischem Spürsinn treibt die Handlung rasant voran. Was als Sorge um den vermissten Physiotherapeuten Stefan Sänger beginnt, eskaliert schnell in nächtlichen Einbrüchen, wilden Verfolgungsjagden im Opel von “Methusa” und der Aufdeckung eines handfesten Eifersuchtsdramas. Dass ausgerechnet in den nächsten Tagen, das alles entscheidende Aufstiegsspiel im Stauferparkstadion ansteht, sorgt dabei für eine große Portion Doppeldosis an Hochspannung.
Besonders gut gefallen, hat mir das grandiose Ermittler-Trio aus Ina, Tanja und Loretta. Die drei Fußballerinnen sind das Herzstück des Romans. Die Dynamik zwischen ihnen ist einfach herrlich unterhaltsam. Besonders Tanjas kriminologisches Halbwissen („Lesen bildet!“) und Lorettas panische Angst, als vermeintliche „Panzerknackerin“ im Gefängnis zu landen, sorgen für unzählige Lacher beim Lesen.
Neben dem Haupt-Trio sprüht der Roman nur so von herrlich schrägen Nebenfiguren, die das dörfliche Vereinsleben sehr gut karikieren und gleichzeitig als wunderbare (falsche) Fährten herhalten. Der Kommissar und Vereinsvorstand Siggi Knappe personifiziert den Inbegriff eines trägen, kurz vor der Rente stehenden Dorfpolizisten. Er nimmt die Sorgen der Frauen anfangs überhaupt nicht ernst, ist dafür aber umso leidenschaftlicher bei seinem skurrilen „Frettchen-Tick“ – er will sogar das Vereinswappen mit dem Nagetier umgestalten. Der Trainer Florian Morgenthal ist der Choleriker an der Seitenlinie, der die Frauen unbarmherzig antreibt, aber auch ihm entgleitet zum Schluss völlig die Kontrolle… Der eitle und von purem Neid zerfressene Kollege und Männer-Physiotherapeut Timo Kurz sorgt mit seinen bösartigen Intrigen und Lügengeschichten hinter den Kulissen für massiven Sprengstoff im Verein. Und dann ist da auch noch der Kater Ben, das wahre Vereinsmasskottchen.
Was das Buch so spannend macht, ist die Tatsache, dass ein perfektes Gleichgewicht zwischen dem Kriminalfall und dem Mikrokosmos des Amateurfußballs dargestellt wird. Selbst in Momenten akuter Lebensgefahr verliert das Trio nie seinen sportlichen Humor. Die Dialoge sind spritzig, oft wunderbar bayerisch eingefärbt (wenn der DFB-Chefphysiotherapeut eben „nicht auf der Brennsuppn dahergschwommen“ ist) und voller Fußball-Metaphern. Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und besticht durch seinen wunderbaren Wortwitz. Die Kappeleien im Team (zum Beispiel: „Gen Z“ vs. „Faltenlieschen“) und die gutmütigen Scharmützel zwischen Ina und ihrem Ehemann Henry im Blumen-Café sorgen dafür, dass man beim Lesen regelmäßig schmunzelt. Besonders interessant sind auch die skurrile Randdetails wie der leidenschaftliche „Frettchen-Tick“ des Vereinsvorstands Siggi. Lokale Schauplätze wie die Promenade, der Zaubergeigenbrunnen oder der Ausflug in die „Mertinger Höll“ machen das Setting in Donauwörth lebendig und geben der Geschichte ein wenig Realität. Wie der Autor jedoch verrät, sind die Plätze zwar real, jedoch die Personen und die Geschichte entspringen ganz seiner Fantasie.
Fazit: „Lattenschuss und Abseitsfalle“ hält das Spannungsniveau bis zum Schluss, so dass Franz Hafermeyer als Autor und Thomas J. Fraunhoffer in seiner Funktion als Coverdesigner ein überaus gelungenes Gesamtpaket abliefern. Nicht nur in der Zeit vor der WM, sondern auch danach ist das Buch eine perfekte Urlaubs- oder Wochenendlektüre, die nicht nur für Fußballfans eine absolute Leseempfehlung von mir bekommt!