«Das Erbe von Esilyas» hatte für mich einige interessante Ansätze und man merkt, dass Josua Rutishauser viel Herzblut in seine Welt gesteckt hat. Besonders die kurzen Kapitel haben das Lesen angenehm portioniert und dafür gesorgt, dass ich trotz meiner Kritikpunkte dran geblieben bin.
Leider konnte mich das Buch insgesamt aber nicht überzeugen. Das Worldbuilding wirkte auf mich oft unnötig kompliziert und gleichzeitig zu wenig erklärt. Die mythologisch-historische Einführung hilft zwar etwas, trotzdem blieb vieles undurchschaubar. Dazu kamen sehr viele verschiedene Bezeichnungen für die Figuren – besonders für Eloy –, was den Lesefluss eher erschwert hat als Atmosphäre zu schaffen.
Auch sprachlich hatte ich Mühe mit dem Roman. Viele Formulierungen wirkten für mich leicht unpassend oder deplatziert, gerade in einem Fantasy-Setting. Manche Vergleiche und Redewendungen haben mich eher aus der Geschichte herausgerissen. Gleichzeitig waren viele Sätze sehr detailliert formuliert, oft mit unnötigen Adjektiven oder Erklärungen offensichtlicher Dinge, während andere wichtige Aspekte kaum vertieft wurden. Dadurch wurde das Lesen stellenweise anstrengend und die Geschichte wirkte deutlich länger, als sie eigentlich ist.
Die Handlung selbst empfand ich als eher simpel. Probleme lösen sich oft dadurch, dass plötzlich neue Figuren auftauchen und den richtigen Weg kennen, wobei die Protagonisten ihnen erstaunlich schnell vertrauen. Auch die Liebesgeschichte zwischen Eloy und Shiyan blieb für mich oberflächlich und wirkte eher wie eine Pflichtübung.
Ich gebe neuen Autor:innen grundsätzlich sehr gerne eine Chance und hatte mich wirklich auf dieses Buch gefreut. Leider hat das Buch meinen Geschmack diesmal nicht getroffen. «Das Erbe von Esilyas» wollte für mich zu viel auf einmal und hat dabei weder stilistisch noch erzählerisch richtig funktioniert. Eine mögliche Fortsetzung werde ich vermutlich nicht mehr lesen.