Das war für mich ein sehr interessantes und originelles Leseerlebnis. Am Anfang mochte ich den zynischen, unterhaltsamen Ton sehr. Mit der Zeit verlor dieser Ton für mich aber ein bisschen seinen neuartigen Reiz und irgendwann fand ich ihn nicht mehr wirklich lustig, sondern habe ihn eher neutral hingenommen bis es dann besorgniserregend wurde.
Jessamyn ist definitiv keine sympathische Protagonistin. Sie ist unfreundlich, manipulativ und egozentrisch. Gleichzeitig fand ich sie als Figur sehr spannend, weil ihre Verbitterung über ihre unerreichten Träume erstaunlich realistisch und nachvollziehbar dargestellt wird. Das macht sie zwar nicht sympathischer, aber psychologisch interessant.
Besonders gelungen fand ich, wie die Realität im Verlauf der Geschichte immer stärker verzerrt wirkt. Diese zunehmende Unsicherheit fand ich sehr spannend.
Einige Szenen sind grotesk, verstörend und bleiben im Kopf. Auch ihre Beziehungen zu anderen Figuren sind oft toxisch, seltsam oder von gegenseitiger Projektion geprägt. Das Buch lebt für mich weniger von einer klassischen Handlung als von dieser schrittweisen Eskalation.
Das Ende liess mich dann etwas ratlos zurück, weil ich gerne einige Fragen beantwortet gehabt hätte.
Insgesamt war das für mich ein sehr interessantes Leseerlebnis.