Ein Roman, an dem ich einerseits die Gesellschaftskritik mag: Ich habe das Gefühl, dass vor allem in linken und queeren Kreisen (wo ich ja auch dazugehöre) oder auch in elitären Umfeld (da kann ich nur Vermutungen anstellen) oft der Gedanke ist, “wir sind besser als andere”. Was in manchen Sachen vielleicht auch stimmen mag, aber auch wir sind (natürlich) nicht perfekt. Und manchmal geht das ganze “korrekt sein” auch etwas zu weit, dass man sich z.B. nur etwas vorspielt, wie im Buch auch oft angesprochen wird.
Klar ist das nicht das grosse Problem der Welt, aber ich finde es schön, dass es angesprochen wird.
Andererseits ist es auch einfach ein Buch ¨über eine Freund*innengruppe, wie es sie überall geben kann. Man mag einander eigentlich, sehnt sich aber nach den Anfängen zurück, als alles scheinbar einfacher und leichter, unkomplizierter war. Man ist älter geworden, hat mehr erlebt, ist innerlich aber immernoch die selbe Person wie damals oder hält zumindest daran fest.
Die Charaktere sind nicht alle und auch nicht immer sympathisch, aber ich fnde genau, dass es eben unsympathische Charaktere hat so interessant. Man muss als Autorin ein Talent dafür haben, ein Buch zu schreiben in dem die Charaktere sich so verhalten, dass man am liebsten aufhören würde zu lesen, aber gleichzeitig nicht kann, weil einen noch etwas festhält.
Die Sprache fand ich poetisch, beschreiben, romantisch und doch ehrlich? Es war angenehm zu lesen, man muss ein bisschen reinkommen, aber wenn man drin ist, ist es schön. Ich kann es leider nicht besser beschreiben, darum hier ein Zitat aus dem Buch:
“Es ist als würde sie hinabstürzen und sterben. Nein, es ist nicht mal ein tödlicher Fall. Sie dachte, sie wäre Ikarus, der zu nah an die strahlende Sonne geflogen ist, übermütig, tragisch, aber grandios. Jetzt fühlt sie sich stattdessen wie ein stumpfsinnige Motte, die immer wieder gegen eine Lampe prallt.”
Das Buch hat ein offenes Ende, was aber absolut zur Geschichte passt (wissen wir nach einer Woche Sommerferien, zu 100% wie es im Alltag weitergeht?) Ich mag, dass wir mit so vielen offenen Fragen und Gedanken zurückgelassen sind. Das Buch wird bei mir sicherlich noch einiges nachwirken!