West of Wicked hat bei mir einen sehr gemischten Eindruck hinterlassen. Die Geschichte liest sich zwar extrem flüssig, genau das wurde für mich aber auch zum Problem: Statt Tiefe entsteht dadurch oft eher Oberflächlichkeit, und ich hatte über weite Strecken Mühe, wirklich emotional anzudocken.
Die Figuren bleiben für mich erstaunlich blass. Ich habe selten das Gefühl gehabt, sie wirklich greifen zu können oder ihre Entscheidungen emotional nachvollziehbar zu finden. Gerade bei Dorothy hätte ich mir deutlich mehr innere Entwicklung und Konsequenz gewünscht, stattdessen wirkten viele Situationen eher distanziert oder unreflektiert.
Auch die Welt konnte mich nicht wirklich überzeugen. Es werden zwar viele interessante Ansätze angedeutet, aber vieles bleibt unausgegoren oder nur halb erklärt. Dadurch entsteht weniger ein Gefühl von Mystery, sondern eher von Verwirrung und fehlender Klarheit. Einige Szenen wirkten auf mich zusätzlich abrupt oder unpassend gesetzt, insbesondere im Umgang mit Gewalt und den Reaktionen darauf.
Gleichzeitig hat das Buch es aber geschafft, mich trotzdem bei der Stange zu halten. Nicht unbedingt wegen der Umsetzung, sondern wegen der vielen offenen Fragen und Theorien, die sich im Kopf bilden. Ich wollte wissen, wie sich alles zusammensetzt, auch wenn ich am Ende das Gefühl hatte, dass die Antworten nicht wirklich befriedigend sind.
Der Cliffhanger ist spannend, keine Frage, aber er konnte für mich die vorherige Distanz zur Geschichte nicht mehr ausgleichen. Insgesamt blieb die Lektüre eher kühl und emotional wenig greifbar.
Unterm Strich ist West of Wicked für mich ein Buch mit einer interessanten Grundidee, das sein Potenzial aber nicht ausschöpft. Es hätte deutlich mehr Tiefe, Klarheit und emotionale Wirkung gebraucht, um wirklich zu funktionieren.