Ein armes Bauernmädchen nimmt die Identität ihres toten Bruders an und strebt unter seinem Namen nach Ruhm und Ehre. Leider hat Zhu in der Geschichte nur mit wenigen echten Hindernissen zu kämpfen. Alles, was sie anpackt, funktioniert. Das ist neben den verwirrenden Zeit- und Perspektivenwechseln nicht besonders interessant zu lesen.
Hingegen konnte ich nicht genug von ihrem Gegenspieler Ouyang lesen. Seine Beweggründe waren für mich wesentlich nachvollziehbarer und er kämpfte mit echten Dilemmata. Leider haben wir bei ihm immer nur militärische Niederlagen gesehen, und keine grossen Siege, die seine Position rechtfertigen würden.
Das interessanteste am Buch waren die Brüche mit den Gender-Normen. Zhu, die aus Not heraus eine männliche Identität annimmt und Frauen für ihre Zwecke instrumentalisiert und der Eunuch Ouyang, der trotz seines militärischen Rangs immer wieder verspottet wird, weil er kein ganzer Mann ist. Sie beiden kämpfen und internalisieren Vorurteile und besonders Ouyang leidet darunter.
Das Buch hat für mich nicht wirklich funktioniert, weil ich das Streben nach Ruhm und Ehre zu jedem Preis nicht nachvollziehen kann. Zhu wird zunehmend größenwahnsinniger und keiner ihrer Freunde hält ihr das vor, oder verlässt sie deswegen. Hier hätte ich menschlich mehr erwartet. Auf so einer Reise wechseln Verbündete in der Regel ständig.
Ich werde das zweite Buch auf jeden Fall auch noch lesen und hoffe, dass es sich mehr mit Ouyang und weniger mit Zhu befasst. Für Fans von Poppy Wars eine klare Empfehlung.