Vielleicht ein bisschen kitschig, aber für mich irgendwie genau richtig war Charlotte Tarnowskis Roman über Sophie, die während ihres einjährigen Sabbaticals die siebenteilige Langstreckenschwimmherausforderung «Ocean’s Seven» absolvieren möchte.
Ein Jahr lang begleiten wir die Ich-Erzählerin, deren Perspektive ergänzt wird von weiteren Figuren, deren Sichtweise jedoch in der dritten Person geschildert wird. Wirklich nah sind wir somit vor allem unserer Protagonistin, ihren Gedanken und Gefühlen. Diese sind anfangs wie betäubt, wir erfahren kaum etwas, ihre Beiträge sind kurz und abgehackt. Später kommen Trauer, Schuld, Reue und Verzweiflung durch und irgendwann auch wieder Hoffnung und Zuversicht. Ihre Beiträge werden länger und vielfältiger, sie öffnet sich stückweise ihrer Umwelt.
Mir haben insbesondere Sophies Gedanken und Empfindungen beim Schwimmen gefallen. Die gewaltige körperliche und mentale Herausforderung, der sie sich stellt, ihre einzigartigen Eindrücke und Erlebnisse inmitten der Wassermassen, haben mich tief beeindruckt. Spannenderweise graut es der Autorin vor dem Schwimmen im Meer, sie hat Sophies Erfahrungen somit nicht gemacht, aber ich finde, sie gibt sie differenziert wieder. Scheinbar hat sie zur Vorbereitung viele autobiographische Berichte dazu gelesen. Auch die psychologischen Aspekte des Romans haben mich überzeugen können. Tarnowskis Figuren haben ihr jeweiliges Päckchen zu tragen und sorgen dafür, dass wir uns mit ihnen identifizieren können.
Kraftvoll, ermutigend und wohltuend beruhigend hat mich «Die Ozeanschwimmerin» von Beginn an gepackt und begeistert.
Für Fans von «Die Mitternachtsschwimmerin», «22 Bahnen», «Unbeugsam wie die See» uvw.