Sein Vater erkrankte, lag im Sterben, starb und Georgi Gospodinov verarbeitet diese Zeit schreibend: die Ängste, die Sorgen, allgemein Gedanken zu Leben, Tod und Erinnern und natürlich die anschliessende Trauer. Als Ich-Erzähler setzt er seinem Vater, dem Gärtner und seinem Garten, ein Denkmal mit unzähligen Anekdoten, verteilt auf 92 Kapitel, die dieses wundersame Büchlein ausmachen. Er geht dabei nicht chronologisch vor, sondern er springt mal vor und zurück, dann schiebt er Anekdoten ein, weil das Schreiben über den Sterbeprozess zu schmerzhaft ist. Er verweist auf eigene Werke, berufliche Reisen, die ihn an seinen Vater erinnern, Gedanken anderer Schriftsteller*innen zu Leben und Tod uvm.
Alexander Sitzmann hat das Werk mit viel sprachlichem Feingefühl aus dem Bulgarischen ins Deutsche übertragen. Besonders gefallen haben mir dabei seine Übersetzungen für bulgarische Wörter, die im Deutschen keine direkte Entsprechung haben (Bsp.: «Tihnalǎk, auf Deutsch vielleicht so etwas wie Stillsamkeit», S. 190) und Gospodinovs Beschreibungen sprachlicher Eigenarten seines Vaters («Zu «süß» sagte er slatǎk statt sladǎk, was eine größere phonetische Süße am Gaumen hinterlässt…», S. 191).
Ich habe jede einzelne Seite dieses klugen, tröstlichen, wärmenden, humorvollen Schreibstils in verschiedenen Trauerschattierungen genossen.