Yukito Ayatsujis Krimireihe «Die bizarren Häuser» scheinen in Japan Kult zu sein. Bereits 1987 erschien der Erstling «Die Morde im Dekagon-Haus» im Original. (Erster Hinweis auf die Zeit: es gibt keine Handys und die Figuren rauchen alle :-))
Das Buch ist eine Hommage an Krimi-Grössen wie Agatha Christie, Sir Arthur Conan Doyle, Edgar Allen Poe etc. In Anlehnung an Christies «Und dann gab’s keines mehr» werden sieben Student*innen, alle begeisterte Krimi-Fans, auf eine einsame Insel eingeladen. Dort wurden vor einem halben Jahr zwei Ehepaare umgebracht, der Gärtner ist bis heute verschwunden. Was genau geschah, ist bislang ungeklärt, umso begeisterter ist der Krimi-Club über diese Chance. Erst in einer Woche werden sie wieder abgeholt. Was wir bereits seit dem Prolog wissen: Jemand trachtet ihnen allen nach dem Leben.
Gleichzeitig beginnen auch auf dem Festland drei Personen in dem ungeklärten Mordfall zu ermitteln. Wir wechseln somit an der Seite des personalen Erzählers regelmässig die Perspektive, die Kapitelüberschriften leiten uns dabei durch Tage und Orte. Auf der Insel denken die Student*innen erst an einen schlechten Scherz, als sieben Schilder auftauchen mit den Beschriftungen «Opfer 1-5», «Detektiv», «Mörder». Doch nach dem ersten Toten stellen sich schnell Angst, Panik und Paranoia ein. Wir hingegen blicken mit Distanz und detektivisch auf das Geschehen, für uns überwiegt in diesem klassischen Whodunit die Rätselspannung. Für mich ein Pluspunkt des Krimis. (Wer auf der Suche nach nervenzerfetzender Spannung ist, wird möglicherweise enttäuscht sein. Das als kleine Warnung.)
Dankbar war ich für die diversen Grundrisse und Pläne, die manch komplexe Anordnung veranschaulichten. An zwei Stellen war ich kurz irritiert, weil Abläufe bzw. Namen nicht zusammenpassten (S. 168 im eBook, da hätte eigentlich Ehepaar Kitamura stehen müssen, meiner Meinung nach; und auf S. 172 steigt Shimada erneut aus dem Wagen aus, nachdem er das eigentlich bereits kurz zuvor getan hatte).
Mich hat «Die Morde im Dekagon-Haus» bestens vor mich hinrätseln und grübeln lassen (ich hatte zwischenzeitlich fast alle Figuren in Verdacht), ohne mir dabei schlaflose Nächte zu bescheren. Top!
Aus dem Japanischen von Sabrina Wägerle.