Dieser Thriller hat mich zu Beginn definitiv neugierig gemacht. Der Einstieg gelingt leicht, der Schreibstil ist klar, flüssig und angenehm zu lesen, sodass ich schnell in die Geschichte gefunden habe – auch wenn die vielen Figuren und Namen anfangs etwas Konzentration erfordern. Nach kurzer Zeit legt sich diese anfängliche Verwirrung jedoch, und man findet gut in die Dynamik der Geschichte hinein.
Besonders spannend fand ich die Figur Juri. Seine Wahrnehmung der Ereignisse unterscheidet sich deutlich von der der Erwachsenen, und genau das wurde sehr gelungen dargestellt. Seine Perspektive bringt eine besondere Tiefe in die Geschichte und sorgt immer wieder für interessante Momente. Auch einzelne Elemente und Figuren haben zunächst viel Potenzial angedeutet und bei mir einige Erwartungen geweckt.
Im Verlauf der Handlung entwickelt sich die Geschichte spürbar weiter, es passiert mehr, das Tempo zieht an, und einige überraschende Wendungen sorgen zunächst für zusätzliche Spannung. Gleichzeitig sind bei mir aber auch immer mehr Fragen entstanden. Manche Figuren bleiben emotional eher distanziert, ihre Handlungen oder Reaktionen wirkten für mich teilweise schwer nachvollziehbar. Dadurch fiel es mir zunehmend schwer, eine echte Bindung zu einigen Charakteren aufzubauen.
Auch einige Handlungsstränge, die anfangs vielversprechend eingeführt wurden, konnten für mich am Ende ihr Potenzial nicht ganz ausschöpfen. Manche Entwicklungen wirkten im Nachhinein etwas zufällig oder nicht vollständig ausgearbeitet. Besonders in den zwischenmenschlichen Beziehungen hätte ich mir mehr Tiefe, mehr Konflikt und stärkere Auflösungen gewünscht.
Insgesamt liest sich das Buch zwar durchgehend sehr flüssig und unterhaltsam, konnte mich als Thriller aber leider nicht vollständig überzeugen. Mir haben stellenweise die durchgehend greifbare Spannung, eine konsequent logische Entwicklung und vor allem ein wirklich starker „Aha“-Moment am Ende gefehlt. Trotz interessanter Ansätze und einzelner spannender Ideen blieb bei mir deshalb am Schluss etwas das Gefühl zurück, dass mehr möglich gewesen wäre.