Cover:
Das Buchcover ist recht schlicht gehalten. Auf den ersten Blick ist mir primär mal der Titel aufgefallen, der mir ins Auge gestochen ist und mich kurz irritiert hat. Erst dann habe ich die Flasche und deren Inhalt so richtig wahrgenommen. In Bezug auf den Klappentext finde ich, dass das Buchcover sehr passend ist.
Handlung:
Karl-Leopold Schneeberger, genannt Flocke, versteht als Dreijähriger den „Deutschen Gruß“ falsch und hört stattdessen „Drei Liter“. Nach Ende des Kriegs wacht Flocke im Krankenhaus auf. Er hat überlebt und eine Hirn-Operation gehabt. Langsam setzt sich seine Erinnerung wieder zusammen und er erzählt von seinem Leben. Davon wie er als kleines Kind die Zeit erlebt hat, als der Nationalsozialismus an die Macht gekommen ist. Und später davon, wie er als knapp 15-jähriger mit seinem Freund Zack am Stadtrand in einer Hütte mit Garten lebt und dort auf Fiona trifft, die ein gefährliches Geheimnis hat: Sie versteckt in ihrem Garten die zwei kleinen jüdischen Mädchen Gerda und Rebekka. Als die Lage immer brenzliger wird, bleibt den Jugendlichen nur ein verzweifelter Fluchtversuch…
Schreibstil & Aufbau des Buchs:
Das Buch beginnt damit, dass Flocke, eine der Hauptfiguren und der Erzähler der Geschichte, im Krankenhaus aufwacht. Der Krieg ist vorbei, Deutschland von en Amerikaner besetzt. Nun kommen auch seine Erinnerungen wieder und er erzählt seine Geschichte, sowie die von Gerda, Rebekka, Fiona und Zack.
Der Schreibstil ist toll, man kommt von Anfang an gut in die Geschichte hinein. Stellenweise gab es sehr spannenden Szenen, die meinen Puls in die Höhe getrieben haben. Die Beschreibungen sind sehr gut und eindringlich. Man fühlt so richtig mit den Figuren mit – zumindest ist es mir so ergangen. Ich finde auch, dass es dem Autor gut gelungen ist, sich in seinen Protagonisten Flocke hineinzuversetzen.
Charaktere:
Die Hauptfiguren sind Flocke, Zack, Fiona, sowie Gerda und ihre Schwester Rebekka. Die drei Jugendlichen zeichnen sich durch viel Mut und Loyalität aus. Flocke ist Sohn eines Gendarmen, seine Mutter ist kurz nach seiner Geburt verstorben, die Tante hat die Familie verlassen, als er noch klein war, und ist mit ihrer Lebensgefährtin geflohen. In Zack findet er einen guten Freund. Zack ist Sohn eines SS-Offiziers, vertritt dessen Gesinnung aber überhaupt nicht. Er ist von den Gräueltaten, die er in Buchenwald gesehen hat, entsetzt und angewidert. Auch Fiona hasst das System und versteckt im Garten zwei geflüchtete kleine Mädchen aus Berlin.
Zu den Nebenfiguren gehören u.a. Flockes Vater, der mehr abwesend ist, vor allem emotional, und ihm kaum eine Stütze ist; Flockes Tante Lieselotte; Herbert, ein SA-Anhänger und der ehemalige Verlobte von Flockes Tante.
Die Charaktere sind insgesamt sehr spannend und vielschichtig. Sie sind auf jeden Fall so gestaltet, dass sie Emotionen erzeugen.
Meinung & Fazit:
„Drei Liter Himmel“ beruht auf einer wahren Geschichte. Uwe Rudnick ist in den Unterlagen seiner Stadt auf eine Spur gestoßen, die ihn nicht mehr losgelassen hat: Zwei kleine, jüdische Mädchen, die sich in Weimar am Fuß des Ettersbergs, auf dem das KZ Buchenwald lag, in einer Gartenhütte versteckt haben. Auf seiner Website erzählt der Autor mehr über die Hintergründe zu seinem Roman. Als ich die gelesen habe, hatte ich bereits Tränen in den Augen. „Drei Liter Himmel“ scheint Uwe Rudnicks Debütroman zu sein. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, mich aber auch sehr betroffen und traurig gemacht.
Das Buch ist locker und flüssig zu lesen, der Schreibstil ist spannend und stellenweise sehr bewegend/berührend. Die Beschreibungen sind sehr gut und eindringlich, sodass man mit den Figuren mitfühlt und sich gut in sie hineinversetzen kann. Das Buch macht beim Lesen auch traurig und wütend, einfach weil man so hilflos ist und die Grausamkeiten der damaligen Zeit nicht begreifen kann. Es gab viele Buchstellen, die ich mir beim Lesen markiert habe und die mich sehr berührt bzw. nachdenklich gemacht haben, wie z.B.:
„Es fühlt sich falsch an, einfach aufzugeben.“ Elfriede nickte langsam. „Es fühlt sich falsch an, weil es falsch ist. Aber manchmal müssen wir zwischen zwei Übeln wählen und die Dinge nehmen, wie sie sind, wenn wir weiterleben wollen.“ (S. 111)
„Du hasst das System, genau wie ich. Aber wir können es nicht sprengen. Nicht mit Bomben, nicht mit Attentaten.“ Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Was wir tun können: Augen und Ohren offenhalten. Informationen sammeln. Uns vorbereiten für danach.“ (S. 211).
Für mich ist das Buch definitiv eine Empfehlung und ich kann es jedem nahelegen, da es einen wichtigen, aber auch traurigen Teil der Geschichte behandelt und das Thema nicht in Vergessenheit geraten sollte.