Auf dem Cover sieht man einen Krabbenkutter, dessen Netze zum Teil noch im Wasser hängen. Im Hintergrund erkennt man einen Leuchtturm. Der Kutter wird von Möwen umschwärmt, die auf leichte Beute aus den Netzen hoffen. Für mich ein passendes Bild zur Geschichte.
Die Krabbenfischerin – Das Erbe der Küste von Danela Pietrek wurde bei dtv veröffentlicht. Die Geschichte spielt an der ostfriesischen Nordseeküste in einer alteingesessenen Fischerfamilie. Nachdem der älteste Sohn verunglückt ist, steht die Nachfolge in den Sternen. Kann Runa ihr Leben auf dem Hausboot in Hamburg mit ihrem Sohn aufgeben und in den elterlichen Betrieb zurückkehren?
Ich habe das Buch in kurzer Zeit verschlungen und fand mich irgendwie darin wieder. Wobei ich selbst nicht wirklich mit dem Gedanken gespielt habe, den Krabbenkutter und damit das Unternehmen meines Vaters zu übernehmen. Ganz abgesehen davon, dass er es uns Kindern auch nicht empfohlen hat. Die Situation der deutschen Krabbenfischer ist mehr als schwierig, und so war ich 2002 das letzte Mal mit meinem Vater zum Fischen im nordfriesischen Wattenmeer unterwegs. Daran und an noch so viel mehr musste ich denken, als ich Runas Geschichte gespannt verfolgt habe. Sie fungiert übrigens als Erzählerin in der dritten Person.
Die Beschreibungen rund ums Krabbenfischen fand ich aus meiner Sicht sehr authentisch. Einzig das Rausfahren bei Tag passte nicht ganz, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Mein Vater und seine Kollegen fuhren größtenteils über Nacht raus, um möglichst viel im Dunkeln zu fischen.
Für mich war es eine rundum gelungene Geschichte, für die aus meiner Sicht gut recherchiert wurde. Ich konnte mich kaum von Runas Sorgen lösen und musste die letzten 200 Seiten am Stück lesen. Eine ganz klare Weiterempfehlung für alle, die mehr über Krabbenfischer erfahren möchten und wie eine Frau in diesem Bereich arbeiten kann.
Zum Schluss möchte ich dir noch zwei Zitate mit auf den Weg geben, die mich einfach zum Schmunzeln gebracht haben und damit dazu beitrugen, dass die Geschichte auf meiner Top-Ten-Liste für 2026 gelandet ist.
„Wodkaflaschen sind wie Ratten, siehst du eine, gibt es zehn“, kommentierte sie skeptisch.
„Fritz und ich streiten uns seit fünfzig Jahren über Gott, die Welt und manchmal auch über den richtigen Weg zum Hafen. Wir brauchen uns wie die Ebbe die Flut. Freundschaft bedeutet nicht Einigkeit, sondern Verlässlichkeit.“