Die Grundidee von West of Wicked hat mich sofort angesprochen: eine Neuinterpretation von Oz mit Dorothy als erwachsener Hauptfigur, dunkler Atmosphäre und bekannten Figuren in neuem Gewand. Gerade der Einstieg hat mich deshalb auch wirklich neugierig gemacht. Die Geschichte liest sich leicht, man kommt gut voran und einige der Geheimnisse rund um Oz, die Brüder und die Hexen sorgen anfangs für Spannung.
Leider konnte das Buch dieses Potenzial für mich nicht halten.
Viele Figuren blieben für mich zu oberflächlich und emotional kaum greifbar. Besonders die Liebesgeschichte entwickelte sich mir viel zu schnell, und ich konnte kaum eine echte Verbindung zwischen den Charakteren spüren. Auch die Spice-Szenen wirkten auf mich eher unlogisch und unangenehm und haben mich aus der Geschichte gerissen.
Dazu kam, dass sich die Handlung im Mittelteil ziemlich zog. Es passiert vergleichsweise wenig und vieles wirkte eher wie Vorbereitung auf die den zweiten Band statt eine eigenständige Geschichte mit eigenem Spannungsbogen.
Die “Twists” waren für mich ausserdem sehr vorhersehbar und nicht überraschend.
Düster bedeutet für mich nicht automatisch grausam, und bei diesem Buch hatte ich öfter das Gefühl, dass Härte eingesetzt wurde, um schockierend zu wirken, ohne der Geschichte wirklich mehr Tiefe zu geben. Das hat mich ziemlich gestört.
Einige interessante Ansätze und Figuren wurden kaum ausgearbeitet (Chleo, Remy) oder blieben sehr vage, obwohl sie Potenzial gehabt hätten. Dadurch blieben bei mir am Ende eher offene Fragen als Neugier auf den zweiten Band zurück.
Insgesamt fand ich die Idee hinter dem Buch spannender als die Umsetzung.