Anfangs konnte ich mich mit Bukowskis «Aufzeichnungen eines Dirty Old Man» überhaupt nicht anfreunden. Die Lektüre wirkte nichtssagend, beinahe öde. Vielleicht lag es am Soundtrack – da Lesen ohne Musik für mich kaum vorstellbar ist –, der mich partout nicht in die Zeilen transportieren wollte. Verblüfft darüber, dass bewährte Klänge von Black Ambient bis hin zu Depressive Suicidal Black Metal nicht zündeten, wich ich auf Doom Jazz aus. Doch auch hier blieb der Zugang verwehrt.
Erst als ich mir ins Gedächtnis rief, dass der «dreckige Alte» seine Texte oft unter dem Einfluss von Billigrotwein und klassischer Musik in die Tasten haute, wechselte ich zu Mahler. Und siehe da: Ob das nun der entscheidende Schlüssel war, ob ich mich schlicht warmgelesen hatte oder die Aufzeichnungen endlich an Fahrt aufnahmen – der Knoten platzte.
Diese Kolumnensammlung besticht durch eine direkte Sprache im Geiste des Dirty Realism. Unerhört, geistreich und grotesk-burlesk – ein äusserst unterhaltsames Erlebnis. Vor meinem geistigen Auge erschien dabei immer wieder Frank Gallagher aus «Shameless» (natürlich das britische Original, nicht die US-Light-Version): Ein Leben mit einem Fuss am Abgrund, festgeklammert an eine Flasche Bier.