Ich bin ehrlich: Dieses Buch hat mich ziemlich ratlos zurückgelassen. Nicht, weil es schlecht geschrieben wäre – im Gegenteil. Für mich ist das sprachlich und stilistisch von Anfang bis Ende auf einem sehr hohen Niveau, teilweise fast ein literarisches Meisterwerk. Diese Dichte, dieser Rhythmus, diese Bilder – das hat mich immer wieder beeindruckt.
Und trotzdem bin ich nie ganz reingekommen.
Was ich stark fand, waren die Momente, in denen es um Liebe geht – aber eben nicht überall, sondern sehr punktuell. Vor allem in der Beziehung zur Mutter habe ich das gespürt: diese Sehnsucht, dieses Festhalten an einer Form von Liebe, die trägt. Und auch mit Gabrielle öffnet sich etwas Ähnliches, etwas, das über das rein Körperliche hinausgeht.
In vielen anderen Beziehungen hatte ich dieses Gefühl nicht. Da bleibt für mich vieles stark auf Körperlichkeit reduziert, und genau da habe ich den Zugang verloren. Vielleicht gehört das so, vielleicht ist das Teil der Aussage – aber ich konnte damit wenig anfangen.
Am Ende bleibt für mich ein widersprüchlicher Eindruck: ein literarisch sehr starkes Buch, das mich inhaltlich nicht überzeugt hat und mir über weite Strecken fremd geblieben ist