Der Klappentext hat mich direkt gepackt. Leider war der Einstieg aber sehr langatmig. Viele Szenen haben sich endlos hingezogen und Addie hat sich für mich wie ein egoistischer Teenager angefühlt. Die Story springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Viele spannende Ereignisse werden angedeutet, der Leser erhält aber ausschliesslich die Geschichte von Addies endlosen Männer- und Frauenverschleiss. Das ist der Teil, der mich am wenigsten interessiert an einem 300-jährigen Leben.
Als Addie dann endlich Henry findet, der sich an sie erinnern kann, hört das Buch auf, sich um Addie zu drehen und es wird Henrys Geschichte. Das hat das Buch aufgewertet, weil er die interessantere Person ist als Addie. Doch die Beziehung der beiden fühlte sich für mich hohl an. Zwischenmenschlich hat für mich nichts funktioniert, auch mit Luc oder den anderen Liebschaften nicht.
Die Sprache ist poetisch, aber sehr repetitiv. So wird mindestens 30 mal erwähnt, dass Addie 7 Muttermale im Gesicht hat, oder mindesten 3 mal, dass sie “Swiss” spricht (was auch immer das bedeutet). Ich will auch nie wieder lesen, dass einem Mann schwarze Locken auf die Stirn fallen.
Schwab hat eine eigene Art, zu schreiben, dass ihre Frauen nicht sind wie alle anderen Frauen. Viel hat damit zu tun, dass sie Mutterschaft herabsetzen oder sich nicht vorstellen können, wie alle anderen Frauen zu leben oder zu heiraten. So ist eine arrangierte Hochzeit auch genug, dass unsere Addie ihre Seele der Dunkelheit für ein freies Leben verspricht, bei dem sie an nichts gebunden ist. Ich fand es sehr spannend, dass sie unbedingt etwas in der Welt hinterlassen wollte, weil dieses Thema so vielfältig hätte angegangen werden, indem sie mit Sklaven oder anderen unterdrückten Gruppen hätte interagieren können. Doch das Buch bleibt unglaublich weiss und Eurozentriert.
Das Buch eignet sich wohl eher für jüngere Leser, die weder viel über Geschichte wissen, noch einen reichen Fundus an Lebenserfahrung sammeln konnten.