Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen, besonders weil es sich im Zeitalter von KI und übermächtigen Tech-Monopolen weniger wie Fiktion und mehr wie eine düstere Prophezeiung anfühlt. Dave Eggers trifft einen Nerv, der heute schmerzhafter ist als je zuvor.
Die Geschichte folgt Mae Holland, die ihren Traumjob beim „Circle“ antritt, dem einflussreichsten Internetgiganten der Welt. Was als moderne, glitzernde Arbeitswelt beginnt, entwickelt sich schnell zu einem beklemmenden Experiment über totale Transparenz. Die Grenze zwischen Privatleben und Arbeit verschwindet nicht nur, sie wird unter dem Deckmantel der Weltverbesserung regelrecht ausgelöscht. Es ist faszinierend und gleichzeitig absolut erschreckend zu beobachten, wie Mae sich immer tiefer in dieses System ziehen lässt, bis ihre gesamte Identität nur noch aus Daten und Likes besteht.
Was dieses Buch so besonders macht, ist die Ehrlichkeit, mit der es unsere eigene Abhängigkeit von Technologie spiegelt. Das Streben nach dem „perfekten“ digitalen Ich und der schleichende Verlust der Privatsphäre werden so greifbar beschrieben, dass man ständig das Bedürfnis hat, sein eigenes Smartphone wegzulegen. Eggers zeigt meisterhaft, wie eine Utopie durch die Gier nach Daten und Kontrolle zur totalitären Dystopie wird.
Besonders wichtig: Man darf sich nicht von der Verfilmung täuschen lassen. Während der Film das Ende für Hollywood-Zwecke unnötig romantisiert und entschärft hat, bleibt das Buch konsequent. Die literarische Vorlage traut sich, den Gedanken der totalen Überwachung bis zum bitteren Ende durchzuspielen, ohne dem Leser einen einfachen Ausweg zu bieten.
Für mich war dieses Buch ein absoluter Pageturner, der noch lange nachhallt. Es ist eine weckrufartige Geschichte, für unsere digitale Gegenwart. Beklemmend, provokant und leider viel zu nah an der Realität. Wer sich für die Macht der Tech-Giganten interessiert, wird dieses Buch lieben, auch wenn es einem beim Lesen einen Schauer über den Rücken jagt.