Ehrlich? Ich hatte null Erwartungen. „Dark Military Romance” — bei dem Genre rolle ich normalerweise mit den Augen und denke: kenn ich, hab ich, brauch ich nicht nochmal. Und dann habe ich angefangen zu lesen und saß plötzlich um halb zwei nachts noch wach, weil ich wissen musste, wie Laurine über diese verdammte Betonkaskade kommt.
Sie ist Sergeant, will als erste Frau in eine geheime Spezialeinheit, und die erste Szene fängt sie ein, wie sie mit aufgeschnittenem Oberschenkel im norwegischen Regen liegt, während ein Kamerad ihr beim Vorbeilaufen „Tittenbonus schon verspielt?” zuwirft. Genau in dem Moment hatte mich das Buch — nicht wegen der Härte, sondern weil Laurine mitten in dieser Demütigung innerlich denkt: Notiz an mich: Vitamin D3 supplementieren. Diese Stimme. Trocken, selbstironisch, manchmal richtig zum Lachen, auch wenn sie blutet. Ich habe sie sofort gemocht.
Halvorsen, der grimmige Lieutenant, ist erstmal der Typ, den man kennt — knapp zwei Meter, brummt mehr als er redet, eisblaue Augen, das ganze Programm. Aber Caleena nimmt sich Zeit mit ihm, und irgendwann verstehst du, warum er so ist, wie er ist. Was mich richtig überrascht hat: Es ist nicht nur eine Romance. Da ist der Tod von Laurines Vater, ein Verrat in der Einheit, und an einer Stelle richtet sie ihre Waffe auf den Mann, mit dem sie schläft — und das Buch traut sich, dieser Szene das volle Gewicht zu geben.
Klar, perfekt ist es nicht. Manche Militärdetails fühlen sich eher gegoogelt als gelebt an, gegen Ende kommt fast zu viel auf einmal raus, und die Spice-Szenen sind kompromisslos im Dark-Romance-Bereich — wer es zarter mag, wird zucken. Aber das Ende. Laurine entscheidet sich am Ende nicht für den Mann gegen ihren Traumjob, sondern für sich selbst — und er grinst und respektiert es. Genau dieser Moment hat mich versöhnt mit allem, was vorher manchmal etwas drüber war.
Vier von fünf Sternen. Und ja, das nächste Buch von Caleena landet definitiv auf meinem Nachttisch.