Takis Würgers Roman Der Club f¨¨ührt einem in die abgeschottete Welt der britischen Eliteuniversität Cambridge. Im Zentrum steht weniger die klassische Spannung als vielmehr eine beklemmende Milieustudie über Macht, Zugehörigkeit und moralische Grenzverschiebungen.
Der junge Deutsche Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen und hat früh seine Eltern verloren. Als er ein Stipendium für Cambridge erhält, scheint sich ihm eine einmalige Chance zu bieten. Doch das Angebot ist an eine Gegenleistung geknüpft: Hans soll Zugang zum elitären Pitt Club finden und dort ein Verbrechen aufklären, über das niemand spricht. Inmitten von Ritualen, Privilegien und sozialen Codes gerät er immer tiefer in eine Welt, die ihm fremd ist und ihn zugleich anzieht.
Besonders eindrücklich fand ich die Atmosphäre des Romans. Würger beschreibt die Selbstherrlichkeit und den Snobismus der Studenten mit grosser Präzision, ohne plakativ zu werden. Die Figuren sind sorgfältig gezeichnet, allen voran Hans, dessen stille Anständigkeit im Kontrast zur moralischen Kälte seines Umfelds steht. Auch das Motiv des Boxens verleiht seiner Figur Tiefe und Körperlichkeit. Die Erzählweise bleibt ruhig, beinahe distanziert, was die unterschwellige Bedrohung nur noch verstärkt.
Für mich war Der Club ein sehr eindringliches Leseerlebnis. Die geschilderte Welt hat mich abgestossen und zugleich fasziniert. Das ungute Gefühl, dass diese Geschichte näher an der Realität ist, als man es gerne hätte, bleibt lange nach der Lektüre bestehen.