(Die deutschsprachige Ausgabe bei BC und OF ebenfalls abrufbar: Erebus (deutsch) )
Ein Sachbuch, das ich als erzählerisch und sprachlich hervorragend gelungen erachte.
Erebus ist der Name eines Schiffes, das unter britischer Flagge segelte und zusammen mit seinem kleineren Schwesterschiff, der “Terror”, die Aufgabe hatte, in den 1840er Jahren, die Pole zu entdecken, die Antarktis zu erforschen und so weit südlich segelte wie noch nie ein Mensch vorher zu gelangen vermochte. Michael Palin schildert den “Lebenslauf” der Erebus, der vor der ersten Polarexpedition beginnt, bis lange nach deren tragischem Ende, zu welchem noch immer nicht alle Rätsel geklärt sind.
Die Einblicke in den Bau der Schiffe, die Mannschaften, die Familienbeziehungen eniger Besatzungsmitglieder sind eindrücklich. Aber auch die “Details”, die einem bewusst werden, so die Versorgung mit Nahrung und Wasser, Kleidung, die Kommunikationsmöglichkeiten, die so ganz anders waren. Heute staunen wir ein wenig, wenn die Astronauten nur für kurze Zeit die Kommunikation mit der Erde verlieren. Die Erebus und die Terror waren mehrere Jahre lang auf Expedition und konnten nur wenn sie an einem Ort vor Anker gingen, Briefe erhalten oder schreiben.
Das Buch ist nicht als Roman aufgezogen. Palin orientiert ausschliesslich an Quellen, an Briefen, an Dokumenten von den Schiffen. Vor allem aus der ersten Expedition unter dem Kapitän Ross sind die Schiffsdokumente vorhanden. Interessant, wie die Informationen aus der zweiten Expedition, unter Sir John Franklin, zusammenkommen, die ja “verloren” ging. Hier werden die Erkenntnisse, die aus den Suchaktionen hervorgingen geschildert. Gegenstände oder Notizen, welche in Steinhaufen hinterlassen und gefunden wurden, Berichte von Inuits, welche die Männer der Expedition gesehen haben. Die Forschungen gingen weiter. Erst 2014 wurde das Wrack der Erebus entdeckt, 2016 jenes der Terror.
Für mich war es eine sehr gewinnbringende Lektüre, ein Stück Geschichte, Erkentnisse, auf denen heutige Forschung aufbaut, Menschen, welche bereit waren, ein grosses Risiko und grosse Entbehrungen auf sich zu nehmen und für lange Zeit von der Familie getrennt zu sein.
Michael Palin berichtet in einem flüssigen Stil, es liest sich wie eine Reportage - 400 Seiten lang - sehr angenehm und nicht anstrengend. Die Sprache habe ich als ausgezeichnet empfunden, die Wortwahl und -vielfalt ein grosser Genuss. Auch Begriffe, die ich nicht kannte, wurden aus dem Zusammenhang meist klar. Hilfreich war natürlich das Lesen auf dem Tolino mit dem integrierten Wörterbuch.