Ich durfte dieses Buch im Rahmen einer Leserunde lesen — und Bücher wie dieses sind der Grund, weshalb ich die Leserunden so sehr schätze. Denn ehrlich gesagt, hätte ich mir dieses Buch, dessen Protagonist der geistig behinderte Leo ist, sonst nie gekauft. Um Behinderte mache ich lieber einen Bogen, da man nie weiss, wie sie reagieren.
Als Pina eines Tages einen schweren Unfall hatte und ihr Sohn Leo zuhause auf ihre Rückkehr wartete, hatten die Nachbarn — die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge — anfangs auch Berührungsängste. Doch als sich niemand fand, der sich sonst um Leo hätte kümmern können, übernahmen sie diese Aufhabe — anfangs sehr widerwillig und später mit immer mehr Menschlichkeit, obwohl sie selbst mit genug eigenen Problemen zu kämpfen hatten.
„Pina fällt aus“ ist ein Buch, das dem Leser auf rührende Weise vermittelt, wie sehr Menschen mit einer Behinderung von der Gesellschaft ausgeschlossen werden und wie machtlos sich ihre Angehörigen fühlen. Das Buch hat mich sehr berührt und obwohl es ein ernsthaftes Thema aufgreift, konnte ich es fast nicht mehr weglegen, so gespannt war ich auf den Ausgang der Geschichte.
Allen, die ein Buch mit Tiefgang schätzen, kann ich dieses nur empfehlen.